Der TBV setzt sich nach einem schweren Start mit 36:28 (18:15) gegen die MT Melsungen durch und tankt Selbstvertrauen für den Liga-Endspurt.
Der TBV begann in der Deckung mit folgender Aufstellung: Carsten Lichtlein, Jens Bechtloff, Martin Strobel, Ferenc Ilyés, Sebastian Schneider, Rolf Hermann und Florian Kehrmann. Im Angriff kam Christoph Theuerkauf für Ilyés in die Partie, Schneider agierte im linken Rückraum.
Den ersten Treffer der Partie markierte Vasilakis, der Lichtlein per Hüftwurf zum 0:1 (1.) überwinden konnte. Der TBV leistete sich zu Beginn zunächst den Luxus, zwei glasklare Chancen liegenzulassen, fand relativ schwer im Angriff in die Partie. Das 0:2 (4.) durch Allendorf entsprang so auch einem einfachen technischen Fehler im Angriff, den die Gäste zum Gegenstoß nutzten. Das 0:3 (5.) durch Vukovic brachte dann allerdings zum ersten Mal Druck, denn der TBV war im Angriff überhaupt nicht im Spiel, der nächste technische Fehler brachte die Gäste mit 0:4 in Front – Volker Mudrow nahm prompt seine Auszeit. 5:40 Minuten waren gespielt und sein Team hatte bis zu diesem Zeitpunkt all das versäumt, was man sich vor dem Spiel vorgenommen hatte, um vor heimischem Publikum den Endspurt in der Saison anzugehen.
6:16 Minuten waren vergangen, als Schneider zum ersten Mal für den TBV traf, doch prompt legten die Gäste nach, gingen mit 1:5 (7.) in Front. Hermann war in der Anfangsphase der einzige TBV-Akteur, der Gefahr aus dem Rückraum ausstrahlte, drei Tore des Linkshänders in Folge ließen den TBV in der 10. Minute auf 4:6 verkürzen. Und auch das fünfte Tor des TBV ging auf das Konto Hermanns, die Gäste zeigten sich jedoch unbeeindruckt und legten beim 5:8 (12.) sogar per Kempa-Tor vor.
War der TBV im Angriff nun deutlich präsenter und agierte mit mehr Zug zum Tor, so präsentierte sich die Abwehr allzu oft nicht auf der Höhe des Geschehens, Melsungen kam zu leicht und unbedrängt zum Abschluss. Mitte der ersten Halbzeit lag Melsungen noch mit 7:11 in Front, beim TBV waren noch zu viele Fehler im Spiel vorhanden, die Abstimmung passte vorne wie hinten nicht. Und dennoch stand es in der 18. Minuten nach einem schönen Tor von Strobel nur noch 9:11und nach einem herrlichen Anspiel des jungen Mittelmanns stellte Theuerkauf beim 10:11 (20.) endgültig den Anschluss her.
Gäste-Trainer Michael Roth wechselte nach dem 11:12 durch Hermann Feshchanka für Kelentric im Tor ein, die Melsunger Nummer 1 hatte in den Minuten zuvor keine Hand mehr an den Ball bekommen. Exakt 22 Minuten waren gespielt, als Kehrmann per Gegenstoß beim 12:12 den ersten Ausgleich der Partie erzielte. Roth reagierte nun seinerseits, nahm seine Auszeit im ersten Durchgang, 22:05 Minuten waren gespielt.
Ein echtes Highlight setze dann Kehrmann mit seinem Gegenstoß zum 14:13, nachdem er einen eigentlich zu weit geratenen Pass von Bechtloff noch auf den letzten Millimeter fangen und an Feshchanka vorbei legen konnte. Der TBV war nun endlich im Spiel angekommen, legte in Form von Hermann zum 15:14 (27.) in Überzahl vor und hatte das bessere Momentum nun für sich - Preiß legte aus der zweiten Welle heraus zum 16:14 (28.) nach. Der TBV war nun die bessere Mannschaft, hatte die schwache Anfangsphase mit Kampf und Leidenschaft wett gemacht und Manuel Liniger traf zehn Sekunden vor der Halbzeitsirene vom Siebenmeterpunkt sicher zum 18:15. Mit diesem Drei-Tore-Vorsprung ging es in die Kabinen, der TBV musste sich lediglich den Vorwurf gefallen lassen, einmal mehr die Startphase der Partie komplett verschlafen zu haben.
Die zweite Halbzeit begann der TBV in unveränderter Aufstellung, Liniger kam zum ersten Siebenmeter, den Theuerkauf heraus geholt hatte und traf wie beim ersten Mal sicher. Die fällige Zeitstrafe gegen Klimovets nutzte der TBV und legte durch Preiß zum 20:15 nach. Die nächste Zeitstrafe gegen die Gäste folgte, diesmal musste Vuckovic vom Feld, der TBV nahm die Einladung an, zog auf 22:16 durch Hermann davon. Melsungen fand nun kaum mehr Mittel, um sich gegen die immer besser funktionierende TBV-Abwehr durchzusetzen. In der 37. Minute erhielt Preiß die erste Zeitstrafe seiner Mannschaft, doch Melsungen scheiterte zunächst an der Latte und Bechtloff jagte den Ball von weit links außen per Stemmwurf zum 24:17 (38.) in die MT-Maschen.
Melsungen versuchte es im Anschluss mit einer offensiven Abwehrvariante, kam durch zwei Treffer in Folge auch zum 24:19 (39.), doch der TBV war weiter klar Herr des Geschehens, Strobel legte sehenswert auf Theuerkauf ab, das 26:20 841.) des Kreisläufers war ein weiteres Schmankerl – dem Lichtlein einen gehaltenen Siebenmeter gegen Karipidis folgen ließ. Das 27:20 (44.) war die erste Sieben-Tore-Führung des TBV, die mittlerweile auch in der Höhe durchaus verdient war. Die Hessen stemmten sich mit dem 27:22 zwar gegen die Niederlage, doch auch in Unterzahl war der TBV souverän, holte durch Kehrmann einen Siebenmeter heraus, den Liniger allerdings zum ersten Mal an diesem Abend nicht verwerten konnte.
Mudrow variierte im Angriff mit Bechtloff im linken Rückraum, stellte jedoch nach wenigen Minuten wieder um, Strobel kehrte nach seiner Zeitstrafe wieder auf die Mittelposition zurück. Lichtlein ließ dann in der 48. Minute mit seinem zweiten gehaltenen Siebenmeter die Halle toben, Hermann mit seinem 10. Treffer sorgte in Unterzahl für das 30:24, der TBV war klar auf der Siegerstraße. Beim 32:24 (53.) durch Smoler per Gegenstoß war der Vorsprung auf acht Tore angewachsen, die Anfangsphase längst Vergessenheit und Lichtlein gegen Allendorf zum dritten Mal Sieger im Siebenmeterduell, auch wenn der MT-Linksaußen den Nachwurf im TBV-Gehäuse unterbringen konnte.
Bechtloff tippte im Anschluss noch ein Kempa-Anspiel von Strobel ins MT-Tor, das Spiel war längst entschieden und Schneider setzte mit seinem achten Treffer die interne Aufholjagd auf Hermann beim 34:25 weiter fort. Beide Teams spielten die Partie in den letzten Minuten schiedlich friedlich über die Zeit, Lichtlein parierte gegen Karipidis noch seinen vierten Siebenmeter und am Ende stand ein hoch verdienter 36:28–Erfolg des TBV zu Buche, der Selbstvertrauen für die kommenden schweren Aufgaben im Liga-Endspurt geben sollte.
Die Stimmen zum Spiel:
Michael Roth: Die ersten zehn Minuten waren von unserer Seite aus im Angriff wirklich gut. Allerdings haben wir dann die Abwehr-Arbeit zu sehr vernachlässigt und haben den TBV wieder ins Spiel kommen lassen. Wir wussten, dass beim TBV einiges an Frust vorhanden sein würde, das kann dann so oder so rum ausgehen. Heute hat der TBV sich einigen Frust von der Seele gespielt, als wir dann in der zweiten Halbzeit mit fünf Toren in Rückstand geraten sind, war eigentlich schon klar, dass wir heute nicht gewinnen werden. Am Ende geht das Ergebnis auch in dieser Form in Ordnung, Glückwunsch an den TBV.
Volker Mudrow: Wir waren nach dem Aus im Europapokal natürlich sehr enttäuscht. Da es über die Liga kaum noch möglich ist, sich für den europäischen Wettbewerb zu qualifizieren, haben wir aber dennoch die Aufgabe, die Saison mit Anstand und Motivation zu Ende zu spielen. Das haben wir uns heute vorgenommen, das haben wir so angesprochen. Da geht es auch darum, den Zuschauern noch etwas zu bieten in den letzten Spielen. In der frühen Auszeit habe ich dann an die Ehre der Spieler appelliert, dass wir endlich Aggressivität und Härte ins Spiel brinen müssen. Das haben wir dann im Anschluss wirklich gut umgesetzt. Carsten Lichtlein hat überragend gehalten, Rolf Hermann mit zehn Toren und Sebastian Schneider mit acht Toren überragend getroffen.