Der TBV Lemgo hat sich beim THW Kiel einen kaum für möglich gehaltenen Punkt ergattert und dabei in der zweiten Halbzeit eine tolle Aufholjagd gezeigt.
Der TBV Lemgo hat sich mit einer beeindruckenden Leistung und einer nicht für möglich gehaltenen Aufholjagd in der zweiten Halbzeit ein 27:27 (12:13) in der Sparkassenarena in Kiel erkämpft. Der TBV, der weiterhin ohne gelernten Kreisläufer auskommen musste, begann mit Martin Galia im Tor, auf Außen spielten Michael Binder und Mark Schmetz, Michael Kraus und Holger Glandorf auf den Halbpositionen, Regie führte Martin Strobel und am Kreis agierte einmal mehr Florian Kehrmann.
Michael Kraus besorgte vom Siebenmeterpunkt das 1:0 und dann zeigte sich erneut die offensive Abwehrvariante beim TBV, bei der Kehrmann offensiv auf die halblinke Position des THW Druck ausübte, auf der Ilic begann. Das 1:1 gelang dem THW in der vierten Minute, nachdem Lundström zunächst per Siebenmeter an Galia scheiterte, allerdings den Ball sofort wieder in die Finger bekam und im Nachwurf erfolgreich war. Im Positionsangriff kam der THW gegen die gut gestaffelte Abwehr des TBV nicht zur Geltung, erst in der 8. Minute kam Kiel zum 2. Treffer, diesmal war Ilic vom Punkt aus erfolgreich, Schmetz legte allerdings umgehend nach, der TBV führte mit 3:2. In der 10. Minute war Kehrmann per Gegenstoß zum 5:3 erfolgreich, Omeyer griff dem Lemgoer nach dem Torwurf noch ins Gesicht, die Schiedsrichter Methe/Methe beließen es unverständlicherweise bei einer gelben Karte für den THW-Torwart.
Kehrmann hatte zwar postwendend nach einem Schubser gegen Anic ebenso Glück, nicht vom Feld gestellt zu werden, Anic selbst war es dann jedoch anschließend, der nach einer Attacke gegen Glandorf auf die Sünderbank musste. Ein leichter Fehler im Gegenstoß brachten Kiel zwar wieder heran, aber dann war Kraus zum 7:5 zur Stelle, der TBV spielte seinen Part souverän herunter. Insbesondere die von Ferenc Ilyés glänzend organisierte Abwehr war Garant für die Führung. Und in der 19. Minute erhöhte Kraus beim 9:6 sogar erstmals auf drei Tore für den TBV. Eine Zeitstrafe gegen Ilyés brachte die Hausherren dann zurück ins Spiel, konsequent nutzte der THW seine Chancen und kam bis auf 9:8 heran, Kraus legte allerdings zum 10:8 (21.) nach.
Die nächste Zeitstrafe gegen den TBV, diesmal musste Glandorf für ein bis dato von den Schiedsrichtern absolut gedultetes Foul vom Feld, bescherte dem THW zunächst den Ausgleich durch Jicha, der Tscheche brachte sein Team dann auch in Führung. In der Folge konnte sich keine Mannschaft einen Vortgeil erspielen, der TBV spielte eine starke Deckung, kam jedoch im Angriff ebenso zu wenig zur Entfaltung.
Beim Stand von 11:12 aus Lemgoer Sicht nahm THW-Coach Alfred Gislason seine Auszeit, 28:11 Minuten waren gespielt. Palmarsson nutzte die nächste Chance zum 11:13, der THW, bei dem Daniel Narcisse passen musste, hatte leicht Übergewicht. Mudrow brachte Mocsai auf die Mitte, Kraus verkürzte mit seinem siebten Treffer und kurz vor der Pause hatte der TBV dann wiederum die Möglichkeit, auf 13:13 zu verkürzen. Fünf Sekunden vor der Halbzeit-Sirene legte Volker Mudrow seine grüne Karte, aber Hermann scheiterte knapp an Omeyer, so dass es mit einem knappen Rückstand in die Kabine ging. Der TBV hatte bis dahin eine überzeugende Leistung abgeliefert und hätte mit ein bisschen Glück und einer konsequenteren Angriffsleistung durchaus auch eine Führung mit in die Halbzeit nehmen können.
Kraus schaffte eben jenes 13:13 nach der Halbzeit dann vom Siebenmeterpunkt, Ilic legte jedoch ebenso per Strafwurf im Gegenzug wieder nach. In der 35. Minute legte Klein von außen zum 14:17 vor, der TBV drohte in dieser Phase den Anschluss zu verlieren. Im Angriff fehlte die letzte Konsequenz, insbesondere die rechte Seite kam überhaupt nicht zur Entfaltung. Und Filip Jicha legte das 14:18 nach, der THW zog das Tempo weiter an, der TBV kämpfte jedoch verbissen um den Anschluss, aber in der 40. Minute war es dann erneut Jicha, der für den THW traf. Das 16:21 schien eine Vorentscheidung zu sein. Mocsai kam für Strobel auf die Mittelposition, aber die Probleme im Angriff blieben zunächst. In der 42. Minute brachte Mudrow Carsten Lichtlein für Martin Galia ins Spiel, der THW führte 17:22 und nach einem Gegenstoß über Klein sogar 17:23. Das Spiel schien bereits entschieden, aber der TBV spielte nun mit Leidenschaft, Kampf und absoluten Willen.
In der 45. Minute brachte Mocsai seinen TBV auf 19:23 heran, aber die Hausherren hatten zunächst weiter Oberwasser und wie solche Spiele eben in Kiel in der Regel laufen, hatte der THW auch das nötige Glück bei abgefälschten Würfen. Der TBV kam einfach nicht in Schlagdistanz, um das Spiel noch kippen zu können. Mocsai bescherte im Gegenstoß zwar das 21:24, aber postwendend fiel durch Ahlm das nächste Kieler Tor. Hermann löste nun Glandorf ab, auf der linken Rückraumposition spielte Ilyés für Kraus und erneut war es Mocsai, der auf drei Tore verkürzte - der TBV wollte sich nicht kampflos ergeben, hatte mittlerweile auch auf eine 6:0-Abwehr umgestellt.
Und diese Variante griff zusehends besser, Ilyés besorgte 10 Minuten vor Schluss das 23:25, der TBV war mit einem Schlag wieder da. Ein leichter technischer Fehler verhinderte dann zwar zunächst das mögliche Anschlusstor, aber THW-Coach Gislason legte bereits seine grüne Karte im zweiten Durchgang, 51:10 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt. Und nun war der TBV endgültig wieder da, Kehrmann verkürzte in der 53. Minute auf 24:25. Und diesen Schwung nahm auch Lichtlein mit, der gegen Ilic einen Strafwurf parierte. Der TBV hatte die Möglichkeit, den Ausgleich zu erzielen, die Aufholjagd schien wirklich Früchte zu tragen. Der THW stellte zunächst auf eine 5:1-Abwehr um, zog umgehend wieder auf eine 6:0-Variante zurück, die Souveränität beim Meister war dahin. Volker Mudrow nahm seinerseits eine Auszeit, 53:45 Minuten waren gespielt. Mocsai scheiterte knapp am glänzend parierenden Gentzel, die Partie war nun völlig offen. Kiel scheiterte im Gegenzug an der Latte und dann war Binder zur Stelle – 25:25. Andersson konterte und Gentzel parierte, nun war der THW wieder im psychologischen Vorteil. Ein mutiger Pfiff gegen Kiel, Jicha soll Stürmerfoul am Kreis begangen haben, der TBV hatte den Ball und Binder traf vom Kreis. Die Überraschung lag in der Luft.
Andersson legte für Kiel wieder vor, die Spannung war greifbar. Strobel war mittlerweile wieder auf die Mitte gewechselt, Mocsai in den rechten Rückraum ausgewichen. Kraus legte zum 27:27 nach, noch 60 Sekunden waren zu spielen. Kubes traf Andersson im Gesicht, zwei berechtigte Minuten Pause für den Tschechen, noch 44 Sekunden auf der Uhr. Der Lemgoer Block parierte anschließend überragend und der TBV hatte sogar die Chance auf den Sieg. Aber Mocsai und Co. gingen kein Risiko mehr und nach Ablauf der Zeit hatte Hermann noch einmal die Möglichkeit per direktem Freiwurf zu kontern, aus 13 Metern Entfernung war jedoch nichts mehr auszurichten. Der TBV holte einen Punkt in der Sparkassenarena und konnte mit einer über weite Strecken hervorragenden Leistung insbesondere in der Abwehr vollauf zufrieden sein und setzte ein deutliches Ausrufezeichen in Richtung der eigenen Saisonziele.