Der TBV Lemgo hat nach einem wahren Einbruch in der zweiten Halbzeit beim VfL Bad Schwartau in der 3. Runde des DHB-Pokals die Segel streichen müssen.
Der TBV Lemgo hat sich in der 3. Runde des DHB-Pokals bis auf die Knochen blamiert und beim Nord-Zweitligisten VfL Bad Schwartau nach einer in der zweiten Halbzeit desaströsen Leistung mit 28:29 (17:12) verloren und muss einmal mehr den Traum vom Final Four in Hamburg vorzeitig begraben. Bad Schwartau ging vor gut 2.600 Fans in der 3.000 Zuschauer fassenden Hansehalle mit 0:1 durch Jan Schult in Führung, die „Aushilfs-Kreisläufer“ Florian Kehrmann allerdings umgehend ausglich. Vignir Svavarsson war nach seinem Muskelfaserriss zwar wieder mit von der Partie, wurde von Volker Mudrow am Anfang allerdings noch nicht eingesetzt. Zu Beginn des Spiels schickte der TBV-Trainer Michael Kraus auf die Mittelposition, auf den Halbpositionen spielten Ferenc Ilyés und Holger Glandorf, auf Außen Mark Schmetz und Martin Strobel sowie am Kreis wie erwähnt Florian Kehrmann.
Im Tor agierte zunächst Martin Galia, der eine starke Leistung bot. In der 10. Minute lag der VfL noch mit 4:6 in Führung, dann zog der TBV die Zügel an und wendete die Partie bis zur 13. Minute in eine 8:6-Führung. In der 20. Minute lag der TBV durch Ferenc Ilyés beim 11:8 erstmals mit drei Toren in Front, wobei die nach wie vor stark ersatzgeschwächten Lemgoer das Tempo immer wieder deutlich aus der Partie nahmen. Neben Jens Bechtloff, Logi Geirsson und Sebastian Preiß fehlte im Pokal ja auch Michael Binder, der bereits für Lemgo 2 in diesem Wettbewerb aktiv war und demzufolge nicht eingesetzt werden durfte. Und der ungarische Nationalspieler war in der gleichen Spielminute auch zum 12:8 erfolgreich, der TBV hatte die Partie gut im Griff. Bad Schwartau scheiterte immer wieder an der sehr gut postierten TBV-Abwehr, hinter der zudem Martin Galia immer wieder zur Stelle war, wenn es darauf ankam.
Auch wenn der TBV durch leichte Fehler zunächst versäumte, sich weiter und schon vorentscheidend abzusetzen, hatte man nicht das Gefühl, dass die Partie zu Gunsten der Hausherren kippen könnte. Immerhin kam Bad Schwartau in der 25. Minute zumindest zum 13:11, aber Ilyés und Glandorf konterten umgehend zum 15:11. Bis zur Pause setzte sich der TBV dann bis auf die Fünf-Tore-Führung ab und konnte zufrieden in die Kabine gehen.
In der zweiten Halbzeit begannen die Hausherren engagiert aus der Kabine und kamen beim 18:15 (35.) durch Dombrowski erstmals wieder auf drei Tore heran, aber der TBV ließ sich zu keinem Zeitpunkt aus der Ruhe bringen und beherrschte die Partie, ohne dabei zu glänzen – und ohne glänzen zu müssen. Doch nach dem 21:17 (38.) ging beim TBV zunächst gar nichts mehr zusammen. Beim 21:19 (42.) witterte der VfL Morgenluft und keine Minute später waren die Hausherren beim 21:20 durch Dennis Tretow mit seinem 10. Treffer tatsächlich wieder dran.
Ein weiterer Fehlwurf auf Seiten des TBV sorgte dafür, dass der VfL zum Ausgleich kam und auch der lethargischste Zuschauer aus der vermeintlich unvermeidbaren Niederlagen-Lethargie erwachte. Der TBV hingegen versank zeitweise im Tiefschlaf, Schwartau legte zum 21:22 nach und besorgte dann tatsächlich sogar das 21:23. Fast exakt 10 Minuten blieben die Spieler von Volker Mudrow ohne Torerfolg, eine Auszeit, die einfach nicht zu erklären war, nachdem man die Partie locker im Griff gehabt hatte. Volker Mudrow hatte genug von der Vorstellung seines Teams, die Auszeit nach 47:19 gespielten Minuten war die logische Konsequenz. Und die Ansprache schien Früchte zu tragen, Mark Schmetz mit einem Siebenmeter machte den Auftakt und dann zog der TBV durch Strobel, Kraus und Kehrmann bis auf 25:23 wieder davon. Aber es sorgte nicht für Sicherheit im TBV-Spiel, Schwartau kam durch Jan Schult, der neben Dennis Tretow immer wieder den Abschluss, fand erneut zum Ausgleich (25:25, 52.). Nach der erneuten Führung durch Rolf Hermann hatte der TBV die Chance, wieder auf zwei Tore zu erhöhen, aber einmal mehr wurde unkonzentriert und überhastet der Abschluss gesucht.
Und somit konnte der VfL das Spiel tatsächlich offen gestalten, 150 Sekunden vor Schluss stand ein 27:27 auf der Anzeigetafel. Strobel legte von außen vor, aber Schwartau konterte vom Siebenmeterpunkt einmal mehr legte nach zum 28:28. Und dann wurde es mehr als spannend, Schmetz scheiterte an der Latte beim Siebenmeter und soll beim Nachwurf im Kreis gestanden haben. Gut eine Minute war noch zu spielen und der VfL nahm seine Auszeit im zweiten Durchgang. Ein Fehlpass brachte den TBV in Ballbesitz, aber dann setzte es erneut einen eigenen technischen Fehler. Schwartau nahm das Geschenk an und Peter Kasza versenkte den Ball zum 28:29 im TBV-Tor und versetzte die Hansehalle endgültig in den kollektiven Freudentaumel. Dem TBV blieb nur noch Ratlosigkeit und nicht einmal die Erkenntnis, wie man ein solch sicher im Griff befindliches Spiel noch vergeigt haben zu können.