Der TBV Lemgo hat sich beim HBW Balingen-Weilstetten nach einer überzeugenden Leistung sicher durchgesetzt.
Viel war im Vorfeld der Partie über eine vermeintliche Krise und ihre Auswirkungen geredet worden, der TBV hat auf dem Feld die passende Antwort gegeben. Mit 26:20 (16:9) setzte sich die Mannschaft von Volker Mudrow beim HBW Balingen-Weilstetten durch und zeigte dabei über weite Sterecken eine sehr ansehnliche Leistung. Der TBV fand diesmal anders als zuletzt so häufig von Beginn an recht gut in die Partie, Florian Kehrmann und Michael Binder legten zur 2:0-Führung vor, die die Hausherren zunächst noch ausgleichen konnten. Die einzige Führung für Balingen folgte anschließend zum 2:3 (7.), als Felix Lobedank zu unbedrängt zum Wurf ansetzen konnte. Aber der TBV fand in Abwehr wie Angriff weiter zu seinem Spiel und lag in der 18. Minute beim 8:5 durch den starken Holger Glandorf erstmals mit drei Toren in Führung.
Die gesamte Körpersprache des Teams war gänzlich anders als zuletzt im Pokal, die Mannschaft wollte mit aller Macht – und konnte es auch. In der 23. Minute schöpften die Balingen Fans Hoffnung, nachdem Temelkov vom Siebenmeterpunkt den bärenstarken Martin Galia zum 10:8 überwinden konnte. Aber jeweils ein Doppelschlag von Glandorf und Svavarsson brachten den TBV beim 14:8 (28.) mit sechs Toren in Front und deuteten das Kräfteverhältnis an. Dabei leistete sich der TBV in der ersten Halbzeit einmal mehr den Luxus, zwei Siebenmeter auszulassen, Mark Schmetz und Michael Kraus scheiterten jeweils einmal vom Punkt. Rolf Brack versuchte – wie schon fast gewohnt – mit dem siebten Feldspieler Überraschungsmomente zu setzen, doch die Maßnahme fruchtete äußerst selten. Zwei Sekunden waren noch zu spielen, als der TBV per Freiwurf noch einmal die Chance hatte, vorentscheidend zu erhöhen. Und nun klappten auch die einfachen Dinge: Rolf Hermann stieg hinter seinem Block hoch und jagte den Ball zum 16:9 ins Netz.
Nach der Pause kam Balingen allerdings konzentrierter aus der Kabine, Müller und Birkle verkürzten bis zur 34. Minute auf 16:11, dem TBV gelang bis zur 35. Minute kein Treffer. Und beim 17:14 erwachte auch die Halle wieder. Doch anders als in den zurückliegenden Spielen zeigte sich der TBV völlig unbeeindruckt und in der 40. Minute war Michael Binder zum 20:14 erfolgreich. Martin Galia war weiterhin der nötige Rückhalt hinter einer massiven und beweglichen Deckung – der TBV hatte die Partie klar im Griff. Mitte der zweiten Halbzeit hatte die beruhigende Sechs-Tore-Führung beim 21:15 nach wie vor Bestand, der TBV steuerte auf den erhofften ungefährdeten Auswärtssieg in Balingen zu, wo sich der TBV in der Vergangenheit oftmals so schwer getan hatte.
Auch wenn im Angriff das ein oder andere Mal zu schnell der Abschluss gesucht wurde, hielt der TBV dank der glänzend aufgelegten Deckung die Führung konstant hoch. Auch das Zeitstrafenverhältnis zu diesem Zeitpunkt von 6:3 zu Ungunsten der Lemgoer ließ den HBW nicht entscheidend Vorteil aus diesen Überzahlsituationen ziehen, jedes Tor musste sich Balingen hart erkämpfen. Auf der Gegenseite schoss sich insbesonder Holger Glandorf den Frust von der Seele, beim 24:18 erzielte der Nationalspieler bereits seinen neunten Treffer. Der einzige „Vorwurf“, den man hätte machen können war, dass der TBV sich nicht noch entscheidender von den Balingern absetzte.
Sechs Minuten vor Ende der Partie brachte Volker Mudrow dann auch Tamas Mocsai, der bis dahin noch gar nicht gespielt hatte, der Ungar bedankte sich umgehend mit dem Treffer zum 25:19 (55.). Der TBV konnte es sich leisten, bereits früh das Tempo heraus zu nehmen und spielte die Partie sicher über die Zeit und kann nun mit neuem Selbstbewusstsein in die Nationalmannschafts-Pause gehen, ehe am 4. November der TV Großwallstadt zu Gast in der Lipperlandhalle sein wird.
Die Stimmen zum Spiel:
Volker Mudrow: Wir sind mit den zwei Punkten natürlkich sehr zufrieden, denn wir waren im Vorfeld schon angeschlagen nach dem Pokalaus in Bad Schwartau, das für uns einer mittleren Katastrophe gleichkommt. Und dann fährt man halt nicht voller Selbstvertrauen hier nach Balingen. Das Wichtigste ist, dass die Mannschaft sich heute als Mannschaft präsentiert hat, dass sie 60 Minuten lang um jeden Ball gekämpft hat. Von daher haben wir heute meiner Meinung nach auch verdient gewonnen, wobei man sagen muss, dass Balingen nie aufgegeben hat, das zeichnet die Mannschaft aus. Von daher war es wichtig, dass wir in der Deckung gut gestanden haben und dadurch die Partie kontrollieren konnten. Einen kleinen Kritikpunkt habe ich dennoch: Auswärts nur 20 Tore zu kassieren, das ist sehr gut. Aber in der zweiten Halbzeit waren vier oder fünf Abpraller, die wir nicht bekommen haben, da erwarte ich, dass wir uns diese auch noch sichern, denn sonst kann man sich das Leben unnötig schwer machen.
Dr. Rolf Brack: Von allen Niederlagen, die wir bisher hatten, war dies die deutlichste, weil wir im Angriff einfach keine Mittel gefunden haben. Die 6:0-Deckung des TBV stand schon sehr sehr gut, uns fehlte somit von der Mittelposition gänzlich die Torgefahr. Auch in Überzahl haben wir es nicht geschafft, die Vorteile zu nutzen, wir sind teilweise nicht einmal bis zum Abschluss gekommen. Von daher haben wir heute nach unserem tollen Pokalspiel deutliche Grenzen aufgezeigt bekommen, das war schon eine andere Gegnerqualität.Die zweite Halbzeit konnten wir sogar positiv gestalten, aber es waren durch einen sehr starken Kubes, einen sehr starken Svavarsson und einen guten Torhüter dahinter einfach zu viele Grenzen für uns, von daher müssen wir das heute einfach so akzeptieren.