Der TBV Lemgo und der VfL Gummersbach trennen sich nach einer hart umkämpften und extrem spannenden Schlussphase 26:26 (12:11)-Unentschieden.
Der TBV sah schon wie der sichere Verlierer in der Partie gegen den Tabellendritten aus, zeigte aber eine herausragende Moral, und sicherte sich am Ende zumindest einen Punkt.
Unmittelbar vor dem Anpfiff gab es eine Schweigeminute für den vergangene Woche verstorbenen langjährigen TBV-Manager Jürgen Kuchenbecker. Volker Mudrow begann dann mit der Aufstellung Galia, Geirsson, Kubes, Strobel, Glandorf, Kehrmann und Svavarsson. Kubes spielte erneut im linken Rückraum, so dass zunächst kein Abwehr-Angriff-Wechsel nötig war. Dem 1:0 (1.) durch Strobel ließ Geirsson nach einem herrlichen Anspiel von Kubes das 2:0 (2.) folgen, von Startschwierigkeiten wie in der Vergangenheit keine Spur. Gummersbach wirkte nervös, leistete sich in den ersten drei Angriffen zwei technische Fehler, Zrnic musste in der 3. Minute bereits vom Feld, als er den Abstand beim Einwurf von Geirsson auf wenige Zentimeter reduzierte.
Das erste Gästetor markierte Wagner in der 5. Minute vom Siebenmeterpunkt zum 3:1. Die erste Zeitstrafe gegen den TBV, die Holger Glandorf kassierte, nutzte der VfL gut aus und verkürzte auf 4:3 (7.), die Gäste versuchten es auch in der Folge weiter mit einer vorgezogenen Deckung gegen Martin Strobel. Doch der TBV ließ sich nicht beeindrucken, die Abwehr stellte den VfL vor einige Probleme und im Angriff lief der Ball gut. Mark Schmetz erhöhte in der 11. Minute per Siebenmeter auf 7:4. In Unterzahl, diesmal musste Kubes vom Feld, hielt der TBV seinen Vorsprung, Florian Kehrmann war per Gegenstoß zum 8:5 erfolgreich. Doch dann stockte es im TBV-Spiel, Gummersbach agierte nun mit zwei vorgezogenen Deckungsspielern, Stobel und Glandorf sollten aus dem Spiel genommen werden.
Der TBV tat sich nun deutlich schwerer im aufgebauten Angriff, Gummersbach kam in der 18. Minute durch Zrnic per Siebenmeter zum 8:7-Anschlusstreffer. Goran Stojanovic im VfL-Tor parierte anschließend eienn Siebenmeter gegen Mark Schmetz, doch die gut stehende TBV-Abwehr ließ den Ausgleich nicht zu. Verwunderlich war, dass Vf-Coach Sead Hasanefendic sein Deckung wieder auf 6:0 umstellte. Dennoch kamen die Gäste, bei denen Kreisläufer Robert Gunnarsson mit Magen-Darm-Problemen passen musste, in der 22. Minute zum 8:8-Ausgleich. Volker Mudrow nahm daraufhin seine Auszeit, 21:47 Minuten waren gespielt.
Michael Kraus kam im Angriff, scheiterte mit seinem ersten Wurf allerdings an Stojanovic. Svavarsson musste nun für zwei Minuten vom Feld, Zrnic verwandelte den fälligen Strafwurf zum 8:9. Logi Geirsson mit Geschick und viel Glück traf per Gegenstoß zum 9:9 (24.), doch umgehend legte Zrnic nach. Michael Kraus traf in der 27. Minute in Überzahl zum 10:10, bereits im nächsten Angriff schickte das Duo Schaller/Wutzler Florian Kehrmann für 120 Sekunden vom Feld, er hatte Krantz am Hals getroffen. Nach 28:43 Minuten nahm Hasanefendic seine Auszeit, sein Team führte mit 10:11. Der TBV wirkte im Angriff viel zu statisch, konnte den Schwung aus den Anfangsminuten nicht mitnehmen, die Aktionen sahen viel mehr gehemmt aus. Doch dann ging zumindest vom Ergebnis her ein Ruck durch das Team. Einige strittige Entscheidungen der Herren in schwarz hatten das Publikum zum Kochen gebracht, dann traf Kubes (30.) zum Ausgleich und nach einem technischen Fehler von Vukovic traf Schmetz zwei Sekunden vor der Halbzeitsirene zum viel umjubelten Führungstreffer.
Der TBV kam sehr schnell wieder auf das Parkett zurück, die Gäste ließen sich deutlich mehr Zeit. Der TBV begann dabei mit der identischen Aufstellung wie zu Beginn der Partie. Vignir Svavarsson erhöhte in Überzahl in der 34. Minute auf 14:13, in der Abwehr kam Ilyés für den Isländer in den Mittelbelock, den Augleich durch Krantz konnte der Ungar allerdings auch nicht verhindern. Martin Stobel war es dann aus der zweiten Welle heraus, der das 15:14 markierte. Doch Gummersbach ließe sich abschütteln, Vukovic erzielte in der 37. Minute den erneuten Ausgleich. Der TBV ging in dieser Phase zu fahrlässig mit seinen Chancen um, warf Stojanovic im VfL-Tor ein ums andere mal zum Helden. Schmetz kam für Kehrmann im Angriff, Krantz hatte zwischenzeitlich auf 15:16 erhöht. Nach einer super Parade von Galia war es Kubes, der das 16.16 erzielte, Zrnic hielt den VfL jedoch in Front (16:17, 41.). Hermann löste nun Glandorf ab, Kraus spielte auf der Mitte, Strobel wich in den linken Rückraum aus. Daniel Kubes traf in der 44. Minute zum 18:17, das Spiel wogte nun hin und her.
Martin Strobel hatte nach einem Zusammenprall sichtbar Schmerzen und musste behandelt werden. Mocsai musste zudem in der 44. Minute für zwei Minuten vom Feld, Gummersbach kam durch Zrnic zum Ausgleich, die Nummer 77 der Gäste legte anschließend sogar zum 18:19 (46.) nach. Hasanefendic stellte nun wieder auf eine 4:0 plus 2-Deckung um, Hermann wuchtete den Ball aber zum 20:20 (49.) in die Maschen. Nach dem 20:21 wechselte Mudrow im Tor, Lichtlein kam für Galia, Hermann besorgte das 21:21, das Spiel war längst nichts mehr für schwache Nerven. Szilagyi legte für Gummersbach vor, die TBV-Deckung wirkte in dieser Phase zu passiv, ließ den VfL-Rückraum, der ohne Linkshänder auskommen musste, zu ungehindert agieren. In der 53. Minute ging Gummersbach beim 22:24 durch Wagner erstmals mit zwei Toren in Führung, der Linksaußen kam ungehindert aus dem Rückraum zum Wurf. Mark Schmetz scheiterte in der nächsten Szene vom Siebenmeterpunkt am Pfosten, Schaller/Wutzler pfiffen Strobel den fair erkämpften Ball jedoch zur Überraschung aller als Foul zurück und schickten dann Ilyés wegen vermeintlichen Klammerns gegen Lützelberger vom Feld.
Krantz erhöhte in der 56. Minute auf 22:25, die Partie schien entschieden. Schmetz traf per Gegenstoß zwar zum 23:25 (57.), doch Szilagyis Stemmwurf zum 23:26 (57.) war dann für die meisten der 7.400 Zuschauer wohl die endgültige Entscheidung.
Volker Mudrow nahm bei 56:57 gespielten Minuten seine Auszeit im zweiten Durchgang. Die endgültige Niederlage besiegelten dann vermeintlich Schaller/Wutzler, die Kraus ein mehr als fragwürdiges Stürmerfoul in der 58. Minute pfiffen. Hasanefendic nahm dann bei 58:16 gespielten Minuten seine Auszeit. Der TBV kam in Ballbesitz, Mimi Kraus hatte vom Siebenmeterpunkt die Chance zum 25:26 (60.) - und nutzte sie. Zudem musste Lützelberger vom Feld, diese Szene brachte die Gummersbacher zum Kochen, die sich nun benachteiligt sahen. Das Publikum stand nun wie eine Wand hinter dem TBV, und die Gerechtigkeit behielt – zumindest aus TBV-Sicht – doch die Oberhand. Daniel Kubes erkämpfte sich tatsächlich den Ball, die Schiedsrichter verweigerten Kraus allerdings einen Siebenmeter, entschieden bei 59:57 Minuten stattdessen auf Freiwurf. Der Ball lief bis zu Martin Strobel und Lemgos Nummer 19 traf mitten ins Gummersbacher Herz und zur Lemgoer 1-Punkte-Glückseligkeit.
Die Stimmen zum Spiel:
Sead Hasanefendic: Ich hatte gerade in der Kabine eine Diskussion mit meinen Spielern. Sie waren enttäuscht, dass wir nur einen Punkt geholt haben. Ich habe sie gefragt, warum? Wenn die Lemgoer Spieler am Ende vor Freude in die Höhe springen und den Punkt wie einen Sieg feiern, dann zeigt das doch, wie die Gefühlslage war. Lemgo ist eine Institution, Lemgo ist ein Gigant. Und wir haben hier mit einem absoluten Minikader einen Punkt geholt. Darüber freue ich mich und bin von daher mit dem Punkt zufrieden.
Volker Mudrow: Für mich ist das Resultat auf der einen Seite sehr gut. Wir sind mit drei Toren zurückgelegen und haben am Ende ein Unentschieden erreicht. Gut war auch die Einstellung der Mannschaft. Alle Spieler, auch die Verletzten Mimi Kraus und Ferenc Ilyés haben sich in den Dienst der Mannschaft gestellt. Martin Strobel hat ein überragendes Spiel gemacht. Nach der Halbzeit haben wir zuviele freie Würfe verschossen, damit kann ich nicht zufrieden sein. Ich bin auch mit den Schiedsrichtern etwas unzufrieden. Ich sage nicht, dass sie schlecht gepfiffen haben, aber ich erwarte von ihnen auch in brenzligen Situationen eine objektive Leistung.