Am 11. Dezember wäre Jürgen Kuchenbecker 73 Jahre alt geworden. Am 8. Dezember wurde der ehemalige Manager des TBV beerdigt. Wir erinnern uns...
Der Handball hat in Lemgo eine lange Tradition, nicht nur auf höchstem Niveau, sondern bereits weit früher wurde der Grundstein gelegt. Doch damit der TBV sich in der Beletage des deutschen Handballs etablieren konnte, bedurfte es insbesondere einer Sache: Dem Engagement einzelner Personen, die diesen Traum von Bundesliga-Handball in Lemgo jeden Tag aufs Neue vorlebten. Einer dieser Menschen war Jürgen Kuchenbecker, der mit seinem herausragenden Engagement entscheidend mit daran beteiligt war, dass der TBV heute eine feste Größe im deutschen und internationalen Handball ist.
13 Jahre lang war er „der Macher“ des TBV Lemgo, 13 Jahre lang prägte er den Verein, der sich in der Zeit von 1980 bis 1993 von der Oberliga bis in die 1. Bundesliga mauserte. Jürgen Kuchenbecker war die Leitfigur der lippischen Handballer, der Manager führte den TBV mit Geschick und Verstand – und blieb dabei zu jeder Zeit der Mensch Kuchenbecker. „Jürgen Kuchenbecker war ein Original, kann man rückblickend sagen. Er liebte und lebte den TBV Lemgo wie kaum ein anderer und war auch für uns Spieler immer und zu jeder Zeit da. Mit ihm konnte man alle Probleme besprechen, Jürgen Kuchenbecker nahm sich ihrer an. Für mich war er ohnehin ein besonderer Mensch, war er doch der Manager, bei dem ich 1986 meinen ersten Vertrag unterschrieb. Aber auch da war er sinnbildlich gesprochen viel Mensch und wenig Manager“, erinnert sich Volker Zerbe.
Dass sich in der gemeinsamen Zeit bis 1993 einige Anekdoten ergaben, versteht sich fast von selbst. Der „legendäre Ballklau“ in Fredenbeck ist dabei jedoch sicherlich die bekannteste. Es war der 15. Spieltag der Saison 1989/1990, der TBV spielte beim direkten Tabellennachbarn VfL Fredenbeck. Beim Stand von 17:17 lief der VfL Sekunden vor Schluss einen Tempogegenstoß, der wahrscheinlich zum Siegtor für die Heimmannschaft geführt hätte. Wenn nicht Jürgen Kuchenbecker auf das Spielfeld gelaufen, das Spielgerät abgefangen und das Unentschieden „gerettet“ hätte. Da das Regelwerk nichts anderes hergab, mussten die Schiedsrichter das Spiel mit dem 17:17 beenden, den Zorn zumindest des Fredenbecker Publikums hatte sich der TBV aber wohl für alle Zeiten gesichert. „Das war schon ein echtes Highlight, wir Spieler haben selbst ungläubig geguckt, das war nicht zu fassen. Aber es ist wohl der einzige Skandal, den Jürgen Kuchenbecker provoziert hatte, er war ansonsten ein bodenständiger und tadelloser Mensch“, schmunzelt Zerbe: „‘Cake‘, wie er von uns genannt wurde, war eigentlich nicht nur Manager, er war in der Tat Ansprechpartner für alles. Er kümmerte sich um die Werbebanden, war bei jedem Training an der Halle, organisierte alles rund um die Mannschaft, wir mussten uns im Prinzip um nichts kümmern. Das war schon einmalig und heute gar nicht mehr vorstellbar.“
De facto ist Jürgen Kuchenbecker, der sowohl die leisen wie auch die herzhaften Töne traf, einer der Männer, ohne den es Spitzenhandball in Lemgo wohl nie gegeben hätte. Aufopferungsvoll kämpfte er jeden Tag um sein großes Ziel, den TBV in die Beletage des deutschen Handballs zu bringen und dort zu etablieren. Und auch nachdem er sich aus dem aktiven Geschäft zurückgezogen hatte, war er „seinem“ TBV stets verbunden geblieben. Die Dauerkarte in Block A drückt die Leidenschaft nur unzulänglich aus. „Es war besessen vom TBV und zwar im positivsten Sinne. Jürgen Kuchenbecker hat wirklich für den TBV gelebt und sein Lebenswerk, so möchte ich es nennen, verdient allerhöchsten Respekt“, so Volker Zerbe. Trotz einiger gesundheitlicher Rückschläge war Jürgen Kuchenbecker, so wie es ihm möglich war, hautnah bei seinem Verein, bei seiner Leidenschaft.
Am 11. Dezember wäre Jürgen Kuchenbecker 73 Jahre alt geworden, wenige Tage vor seinem Geburtstag schied er aus dem Leben – sein Erbe, das er dem TBV und dem gesamten Handballsport hinterlassen hat, wird in Lemgo unvergessen bleiben.
Foto: Jörg Hagemann