Der TBV Lemgo setzte sich nach einer von Beginn an starken Leistung mit 30:21 (14:11) souverän beim Lokalrivalen GWD Minden durch.
Die Voraussetzungen vor der Partie waren alles andere als günstig. Ferenc Ilyés klagte unter der Woche über starke Schmerzen im Knie und bekam von Vereinsarzt Volker Broy ein totales Verbot auferlegt. Daniel Kubes zog sich im Abschlusstraining eine Oberschenkelzerrung zu und drohte ebenso auszufallen. Der Tscheche biss dann aber auf die Zähne und stand auch in der Startformation.
Volker Mudrow begann mit Carsten Lichtlein, Logi Geirsson, Michael Kraus, Martin Strobel, Rolf Hermann, Florian Kehrmann und Vignir Svavarsson, Kraus wechselte in der Abwehr mit Kubes. Das erste Tor gelang Kraus, der in der 1. Minute zum 1:0 traf. Kraus war es dann auch, der in der 4. Minute zum 2:0 nachlegte, nachdem zuvor Lichtlein zweimal gut pariert hatte. Und nach der nächsten Lichtlein-Parade war erneut Kraus zur Stelle, der TBV hatte glänzend in die Partie gefunden, das 3:1 durch Putics fiel erst in der 7. Minute. Insbesondere die Deckung mit dem Mittelblock Kubes/Svavarsson stand ausgezeichnet, ließ den GWD-Angriff kaum zur Entfaltung kommen und Geirsson mit einem Doppelschlag erhöhte bis auf 5:1 (10.).
In der 14. Minute war es erneut Putics für GWD, der aus dem Rückraum traf, das 6:3 konterte jedoch umgehend Strobel. Erneut Putics für Minden, der Ungar zeigte, warum er eine echte Verstärkung für die Mindener ist, auch wenn er als Rechtshänder im rechten Rückraum agieren musste. Aber der TBV wirkte souverän, im Angriff wurden die Konzeptionen sicher auf den Punkt gespielt, lediglich in der Abwehr ließ man insbesondere dem erwähnten Putics zu viel Spielraum, die Nummer 27 der Hausherren traf in der 17. Minute mit seinem dritten Treffer in Folge zum 8:5. Und auch das 6. Tor der Mindener (9:6) warf Putics, der einmal mehr ungehindert aus dem Rückraum werfen konnte. Allerdings blieb die Mannschaft von Volker Mudrow cool und spielte ihren Streifen herunter, Svavarsson erzielte das 10:6 (20.).
Tamas Mocsai kam in der 21. Minute für Svavarsson in den Mittelblock, die TBV-Abwehr holte sich prompt den Ball und den Gegenstoß vollendete Kehrmann zum 12:7. 22:12 Minuten waren gespielt, als GWD-Coach Richard Ratka seine Mannschaft beim Team-Timeout zu sich bestellte. In der Folge kam GWD bis auf 12:9 heran, der TBV leistete sich ein paar Unkonzentriertheiten zu viel. Dementsprechend legte Volker Mudrow seine grüne Karte, 25:09 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt. In der 26. Minute musste Aljoscha Schmidt für zwei Minuten vom Feld, doch die Leichtigkeit im TBV-Spiel war erst einmal dahin, dennoch erhöhte Hermann auf 13:9 (28.). Die TBV-Abwehr stand im Prinzip weiter gut, ließ in den entscheidenden Momenten jedoch den Mindenern etwas zu viel Raum. Das 13:11 für GWD beantwortete Tamas Mocsai praktisch mit dem Schlusspfiff, als er aus der zweiten Welle heraus mit einem Aufsetzer aus dem linken Rückraum Medhus überwinden konnte. Mit 14:11 ging es in die Kabinen.
Die zweiten 30 Minuten begann Mudrow mit der identischen Formation wie zum Ende der ersten Hälfte. Den ersten Treffer nach der Pause markierte Hermann in Überzahl beim 15:11 (33.), Ingimundarson musste zuvor für zwei Minuten vom Feld. Mocsai legte zum 16:11 (34.) nach, erneut fand der TBV hervorragend ins Spiel. Und als Kraus zum 17:11 (35.) nachlegte, bahnte sich eine Vorentscheidung an, zu stark wirkte der TBV in dieser Phase. Hermann mit Glück und Geschick im Nachwurf, die Gäste lagen in der 37. Minute mit 18:11 in Front, Kehrmann besorgte umgehend danach per Gegenstoß das 19:11, so dass Richard Ratka reagieren musste. Der GWD-Coach nahm bereits nach 37:17 Minuten seine Auszeit im zweiten Durchgang. Der TBV spielte zunächst aber traumhaft sicher weiter, Kraus traf zum 20:11, Minden wirkte völlig ratlos. Henriksson musste nach einem Foul gegen Kraus vom Feld, der „revanchierte“ sich mit dem nächsten Treffer zum 21:11 (41.).
Der erste GWD-Treffer in der zweiten Hälfte fiel in der 42. Minute, als ein abgefälschter Ball von Putics ins Tor kullerte. Eine böse Szene folgte dann auf der Gegenseite, als Helmdach Martin Strobel beim Torwurf übel erwischte und mit der Zeitstrafe noch gut bedient war. Der Ball fand dennoch den Weg ins Tor, in dem mittlerweile der junge Dresrüsse stand. In der 44. Minute gab es dann die erste Zeitstrafe gegen den TBV, Kubes musste vom Feld und die Chance nutzte Putics, der mit seinem 8. Tor zum 22:13 traf. Aber der TBV war mittlerweile so selbstsicher und souverän, dass in Unterzahl Kehrmann einen Kempa auf Kraus spielte und der Rechtsaußen nach einem blitzsauberen Steal sogar auf 24:13 erhöhte. Beim Stand von 24:15 (48.) stellte Mudrow um, Kehrmann wechselte an den Kreis, für ihn kam Schmetz auf Rechtsaußen. Geirsson war in der 52. Minute nach einem Abpraller zum 27:16 erfolgreich, die 3.400 Zuschauer in der Kampa-Halle, sofern sie nicht der kleinen Fan-Abordnung des TBV angehörten, hatten die Hoffnung auf eine Wende längst aufgegeben.
Das 28:16 (53.) per Kempatrick von Hermann nach Geirsson-Anspiel war einmal mehr ein Treffer für die Galerie, der TBV begeisterte in der zweiten Halbzeit. Danach tat sich nicht mehr viel auf dem Spielfeld, Lichtlein entschärfte noch einen Siebenmeter von Schmidt, sein Gegenüber Dresrüsse konnte sich ebenso noch in Szene setzen. Minden betrieb letzlich ein wenig Ergebniskosmetik, dennoch stand ein souveräner und nie gefährdeter TBV-Sieg zu Buche, der eindeutig Lust auf mehr gemacht hat.
Die Stimmen zum Spiel:
Volker Mudrow: Ich war vor dem Spiel natürlich sehr angespannt, weil die personelle Lage sehr schwierig war. Rolf Hermann hat ein sehr gutes Spiel gemacht, Holger Glandorf war nicht angeschlagen, Rolf hat seine Chance von Beginn an bekommen und sie auch sehr gut genutzt. Auch Carsten Lichtlein muss man hervorheben, der in den letzten Wochen auch nicht so zum Zuge gekommen war. Mit dem Sieg bin ich natürlich sehr zufrieden.
Richard Ratka: Glückwunsch an Lemgo, die das heute souverän und abgeklärt runtergespielt haben, wir haben es ihnen natürlich auch sehr einfach gemacht. Wir konnten lediglich phasenweise unser Konzept umsetzen. In der momentanen Lage können wir nur über mannschaftliche Geschlossenheit und Kampf etwas bewegen, das hat mir heute gefehlt und so geht es einfach nicht. Darüber bin ich sehr enttäuscht.