Der TBV Lemgo verspielt am Vorweihnachtsabend eine Sechs-Tore-Führung und verliert am Ende gegen die SG Flensburg-Handewitt mit 23:24.
Vor ausverkaufter Kulisse begann der TBV Lemgo mit Martin Galia im Tor, Michael Kraus auf der Mittelposition, Martin Strobel und Logi Geirsson auf der linken Seite, Rolf Hermann und Mark Schmetz auf rechts und Vignir Svavarsson am Kreis. Gleich im ersten Angriff bekam der Isländer die Härte der Flensburger Abwehr zu spüren. Er trug einen Cut am rechten Auge davon und musste behandelt werden. Rolf Hermann war es schließlich, der per Schlagwurf für die 1:0-Führung sorgte. Die Gäste aus Flensburg zogen sofort nach, Michael Knudsen traf vom Kreis zum Ausgleich. Mimi Kraus erhöhte auf 2:1, die SG legte in Person von Thomas Mogensen nach und gingen per Siebenmeter, den Lars Christiansen verwandelte, mit 2:3 aus Sicht des TBV in Führung.
Dank einiger starker Paraden von Martin Galia, der sich in der ersten Halbzeit auf Weltklasse-Niveau präsentierte, konnte der TBV die Führung jedoch zurückerobern und sich binnen 16 Sekunden durch zwei Tore von Hermann und Schmetz auf 6:4 absetzen. Nach einigen überhasteten Würfen auf Lemgoer Seite gelang es der SG jedoch sich durch zwei verwandelte Siebenmeter durch Christiansen wieder heranzukämpfen. Nach sechs torlosen Minuten beim Stand von 7:7 war es schließlich Mark Schmetz, der vom Siebenmeterpunkt aus die 8:7-Führung für den TBV markierte, nach dem er knapp vier Minuten zuvor nur die Latte getroffen hatte.
Holger Glandorf, der in der 21. Minute für Hermann auf das Feld kam, traf mit seiner ersten Aktion sogleich zum 10:9. Beim Stand von 11:10 musste Daniel Kubes für zwei Minuten vom Feld: Für den darauffolgenden Siebenmeter kam Carsten Lichtlein auf das Feld und hielt prompt gegen Christiansen, der bis zu diesem Zeitpunkt drei Siebenmeter verwandelt hatte. Schließlich war es Glandorf, der im Alleingang in den Folgeminuten für die Drei-Tore-Führung zum 13:10 sorgte. SG-Trainer Carlén reagierte und nahm seine Auszeit. Der TBV baute seine Führung bis zur Halbzeit noch auf vier Tore aus, beim Stand von 15:11 ging es in die Kabinen.
In der zweiten Halbzeit begann der TBV so wie er die ersten 30 Minuten beendet hatte. Das erste Tor nach der Pause erzielte die SG, Mogensen traf zum 15:12. Hansen verkürzte mit einem sehenswerten Dreher zum 15:13 (33.), der TBV wirkte ein wenig zu statisch, baute nicht mehr den Druck wie zu Ende der ersten Hälfte auf. Michael Kraus mit einem fulminanten Schlagwurf erzielte den ersten TBV-Treffer zum 16:13, aber die SG war voll im Spiel, Knudsen war zur Stelle, wurde von seinen Nebenleuten schön angespielt. Als er in der nächsten Szene Svavarsson im Gesicht traf, hatte der Däne Glück, dass statt seiner Lars Christiansen vom Feld musste. Bechtloff nutzte die Überzahl, der TBV ging mit 17:14 (36.) in Front. Die Abwehr zwang Flensburg zu einem Verzweiflungswurf, Carlén stoppte Glandorf regelwidrig in der Luft und Bechtloff erhöhte in zweifacher Überzahl mit einem gefühlvollen Heber auf 18:14. Ein bärenstarker Galia weckte dann einmal mehr den letzten der 4.861 Zuschauer, Glandorfs 19:14 brachte die Lipperlandhalle zum Kochen.
In der 39. Minute handelte sich Heinl die nächste Zeitstrafe für die SG ein, sein Trikotziehen gegen Glandorf ahndeten Methe/Methe. Kraus erhöhte gegen den in dieser Szene unglücklich agierenden Beutler auf 20:15 (40.), Trainer Per Carlén reagierte und brachte den jungen Sjöstrand zwischen die Pfosten. Aber der Schwede war gegen den nächsten Treffer von Kraus machtlos, der TBV zog auf 21:15 davon, die vorentscheidende Phase schien anzubrechen. Doch weit gefehlt, so leicht gab sich die SG nicht geschlagen, in der 43. Minute stand es 21:17 und Petterssons Gegenstoß bescherte der SG sogar das 21:18 (44.). Im Angriff war in dieser Phase mit einem Schlag der Wurm im Spiel der Hausherren, die sich unvorbereitete Würfe leisteten.
Die SG nahm dankend an, Carlén traf zum 21:19 (45.). Nun hatten Methe/Methe Vignir Svavarsson auf dem Kieker, pfiffen dem Isländer nach einem vermeintlichen „Kreisab“ ein Stürmerfoul ab. Bechtloff und unmittelbar danach Kubes bot sich per Gegenstoß die Chance zum nächsten Treffer, der Pfosten und anschließen Sjöstrand standen jedoch im Weg.
In der 48. Minute brachte Volker Mudrow nach einer erneuten Glanztat Galias Tamas Mocsai ins Spiel, der allerdings umgehend auf die Sünderbank musste. Als Eggert die SG per Siebenmeter in der folgenden Überzahl zum 21:20 (49.) heran brachte, war die Partie vollends offen. Ein nicht geahndetes Foul an Strobel und ein Siebenmeter-Geschenk für die SG – die ersten „Schieber-Rufe“ waren die Folge. Lichtlein parierte jedoch gegen Eggert, gab die passende Antwort. Zehn Minuten war der TBV mittlerweile ohne Torerfolg, in Überzahl leistete man sich einen technischen Fehler und Pettersson egalisierte zum 21:21 (51.). Volker Mudrow nahm seine Auszeit – 50:37 Minuten waren gespielt. Svavarsson wurde am Kreis herrlich frei gespielt, aber der ersehnte Treffer blieb aus, es war zum Verzweifeln.
Technische Fehler auf beiden Seiten, dann lief Mogensen den nächsten Gegenstoß, aber Galia war erneut zur Stelle. In der 55. Minute brach die 15. torlose des TBV an, Boesen traf für die SG zum 21:22, der TBV war völlig von der Rolle. Hansen legte zum 21:23 (56.) nach, das Spiel war vollends gekippt.
Kraus war es dann endlich, der nach 55:27 Minuten wieder traf (22:23). Erneut Kraus übernahm Verantwortung, jagte den Ball in der 58. Minute beim 22:24 an den Pfosten, die SG konnte den Sack nun endgültig zuschnüren. Carlén verzog aber ebenso und Glandorf, der mittlerweile auf der rechten Außenposition neben Hermann spielte, brachte den TBV auf 23:24 (58.) heran. Kubes musste 90 Sekunden vor dem Ende für zwei Minuten vom Feld, aber Galia hielt überragend gegen Pettersson von außen. Die Halle stand nun geschlossen, der TBV hatte noch gute 50 Sekunden Zeit. Dann avancierten Methe/Methe endgültig zu den Buhmännern, ein Stürmerfoul gegen Glandorf war fast schon als Frechheit zu bezeichnen. TBV-Manager Volker Zerbe wollte die Alleinschuld "natürliich nicht bei den Schiedsrichtern suchen, wir hatten es selbst in der Hand. Aber solche Schiedsrichter würde ich mir mal in den letzten 10 Minuten in Flensburg wünschen".
Die SG spielte die letzten Sekunden herunter, die nach dem 21:15 nicht mehr für möglich gehaltene Niederlage war besiegelt.
Per Carlen: Bei 21:15 gegen uns war es eine kritische Phase. Wir haben dann den Torwart gewechselt und das Deckungssystem umgestellt. Das war der Schlüssel zum Erfolg. Das war heute Kampfhandball, sicherlich kein schönes Spiel, viele technische Fehler und sehr starke Torhüter auf dem Platz, Martin Galia war sehr stark. Wir haben die letzten 10 Minuten dominiert, haben eine tolle Moral bewiesen und vielleicht glücklich, aber nicht unverdient gewonnen.
Volker Mudrow: Trotz der Niederlage muss ich sagen, dass es ein gutes Spiel war. Wir waren auf dem richtigen Weg. Bis zur 41. Minute haben wir sehr gut gespielt. Im Anschluss haben wir vier, fünf klare Chancen ausgelassen und hätten in dieser Phase das Spiel selbst entscheiden können. Wir haben Tempogegenstöße vergeben, vom Kreis verworfen, das war unser Problem. Mit den Schiedsrichtern bin ich in den letzten 10 Minuten ebenso nicht zufrieden, am Ende sind wir hier vorgeführt worden. Aber keine Frage, wir hatten es in der Hand, das Spiel zuzumachen, wir wollen nicht alles von uns schieben.