Die DHB-Auswahl zeigt in der ersten Halbzeit gegen Brasilien eine schwache Leistung, steigert sich dann jedoch deutlich.
Die deutsche Nationalmannschaft hat im letzten Test vor der EM gegen Brasilien trotz einer keineswegs konstanten Leistung deutlich mit 34:22 (17:14) gewonnen. Sechs Tage vor dem Auftakt bei der EM gegen Polen bedurfte es einer klaren Leistungssteigerung im zweiten Durchgang, um Brasilien in die Schranken zu weisen.
Bei der DHB-Auswahl fehlte Holger Glandorf, der zwar nach seiner Oberschenkelzerrung grünes Licht für einen Einsatz gegeben hatte, allerdings wollte Heiner Brand kein Risiko eingehen und schonte den Linkshänder. Als Startformation baute der Bundestrainer auf Johannes Bitter im Tor, hinzu kamen Uwe Gensheimer, Lars Kaufmann, Michael Haaß, Michael Müller, Stefan Schröder und Christoph Theuerkauf. Die Abwehr, in der Oliver Roggisch Theuerkauf ablöste, begann vermeintlich gut stehend gegen die Brasilianer, die kaum Druck ausüben konnten und sich schnell einige technische Fehler leisteten. Deutschland setzte sich auf 4:1 (5.) ab, doch ebenso schnell waren die Brasilianer auch wieder auf 4:3 (6.) heran gekommen.
Deutschland agierte im eigenen aufgebauten Angriff teilweise überhastet und erneut ohne klare spielerische Linie, in der Abwehr rückte nun Bitter mehrfach in den Mittelpunkt, weil seine Vorderleute die ersten guten Minuten völlig vergessen zu haben schienen. Brand reichte es bereits in der 9. Minute, früh nahm er seine Auszeit, die mit klaren Worten zur Deckungsleistung schnell erledigt war. Brasilien blieb jedoch zunächst im Spiel, in der 11. Minute stand es 7:6, Deutschland wirkte nach wie vor unkonzentriert und ließ schöne Aktionen wie zum Beispiel zum 9:7 (13.) durch Theuerkauf nach einem Anspiel von Kaufmann nur selten aufblitzen. Das 12:8 (17.) war die erste Vier-Tore-Führung des Spiels, Brasilien suchte nun seinerseits zu schnell den Abschluss, aber die DHB-Auswahl blieb selbst weiterhin einiges schuldig. In der 18. Minute kam Michael Kraus in den linken Rückraum, Torsten Jansen agierte auf Linksaußen.
Zwei Minuten später folgte dann Carsten Lichtlein Teamkollege Kraus nach. Der TBV-Torhüter hatte hinter einer weiter jedoch nicht sattelfest stehenden Abwehr kein leichtes Spiel, in der 27. Minute war Brasilien beim 15:14 wieder bestens im Spiel. Das 17:14 zur Halbzeit war insbesondere der Tatsache geschuldet, dass sich die Brasilianer in den letzten zwei Minuten des ersten Durchgangs noch einige technische Fehler leisteten. Die Miene des Bundestrainers beim Gang in die Kabine sprach Bände, er konnte mit der Leistung seines Teams alles andere als zufrieden sein.
Carsten Lichtlein blieb zunächst im Tor der DHB-Auswahl, Michael Kraus sollte das Spiel von der Mitte aus lenken. Brasilien tat sich zu Beginn dieser zweiten Hälfte jedoch gegen die besser stehende deutsche Abwehr deutlich schwerer, so dass sich Deutschland bis auf 22:15 (37.) lösen konnte. Bei Brasilien ging bis zum 24:16 (42.) so gut wie gar nichts mehr zusammen, der brasilianische Coach nahm seine Auszeit, versuchte das deutsche Spiel zumindest für 60 Sekunden aus dem Rhythmus zu bringen. Heinevetter löste in der Folge Lichtlein im Tor ab, so dass jeder der deutschen Torhüter auf etwa 20 Minuten Spielzeit kommen sollte. In der 48. Minute war es dann auch für Martin Stroble soweit, mit Müller und Christophersen neben sich im Rückraum übernahm er nun die Regie.
Bester deutscher Spieler war zu diesem Zeitpunkt indes längst Uwe Gensheimer, der bis dahin mit 10 Toren aus 10 Versuchen glänzte. Deutschland war nun längst im Spiel, dominierte die Partie und lag in der 50. Minute beim 29:17 dann längst uneinholbar in Führung. In den letzten 10 Minuten sahen die Zuschauer in der SAP-Arena in Mannheim ein lockers Spiel, bei dem sich beide Mannschaften nicht mehr weh taten. Brasilien konnte seine anfängliche Disziplin gegen die wesentlich konsequentere und engagiertere deutsche Mannschaft nicht mehr aufrecht erhalten, die im Angriff ihre individuelle Stärke wesentlich besser zur Geltung brachte.
Nach einer in weiten Teilen enttäuschenden ersten Halbzeit setzte sich die deutsche Mannschaft dank einer klaren Leistungssteigerung gegen stark abbauende Brasilianer deutlich durch. Die Fragen, die sich im Vorfeld ob der noch auszusortierenden Spieler aufgetan hatten, konnten nur bedingt während des Spiels geklärt werden. Gensheimer empfahl sich nachhaltig auf Linksaußen, Theuerkauf präsentierte sich im Angriff sehr agil, Strobel erhielt trotz eine über weite Strecken nicht strukturiert auftretenden Mannschaft relativ wenige Einsatzzeiten. Nun heißt es also abzuwarten, bis Heiner Brand am Donnerstag die letzten Geheimnisse lüften wird.
Deutschland – Brasilien 34 : 22 (17:14)
Deutschland: Bitter, Heinevetter, Lichtlein; Gensheimer (10), Sprenger (4), Kaufmann (3), Christophersen (3), Müller (2), Theuerkauf (2), Flohr (2), Schröder (2), Jansen (2), Weinhold (1), Späth (1), Kraus (1), Haaß (1), Roggisch, Klein, Strobel
Brasilien: dos Santos, Feliciano, do Nascimiento; Filho (5/3), Ribeiro (4/1), Cruz Junior (3), Chiuffa (3), Pires Gil (2), Junqueira (1), Gomes (1), Ferreira (1), Henrique Teixeira (1), Souza (1), Cardoso, Pozzer, Vinicius Teixeira
Zuschauer: 11.000
Schiedsrichter: Brunovsky / Canda (Slowakei)
Strafminuten: 6 / 0