Bei der Europameisterschaft in Österreich waren einmal mehr zahlreiche TBV-Akteure im Einsatz. Doch der Erfolg hält sich in Grenzen.
Frankreich machte mit dem Gewinn der Europameisterschaft gegen Kroatien das Triple aus Weltmeisterschaft, Olympiasieg und Europameistertitel perfekt. Letztlich zurecht und - wie von Martin Strobel vorausgesagt - immer dann bereit, noch einen Tick zuzulegen, wenn es wirklich darauf ankommt.
Die TBV-Akteure blicken ihrerseits auf eine durchwachsene EM zurück, es gab zwar viele Höhen, aber genau so viele Tiefen. Wir blicken auf unsere EM-Fahrer:
Ungarn: Ferenc Ilyés und Ungarn starteten furios in die Europameisterschaft. Beim 29:29 gegen den Topfavoriten Frankreich erzielte Ilyés 7 blitzsaubere Tore und strafte alle Kritiker, dass er im Angriff wenig Akzente setzen könne. Weder die Betonabwehr der Franzosen, noch der überragende Omeyer konnten Ilyés stoppen. Leider konnte Ungarn den Rückenwind nicht mit in die nächsten Partien nehmen. Gegen Spanien gab es eine klare Niederlage und auch gegen Tschechien mussten sich die Magyaren geschlagen geben. Aus nach der Vorrunde und die bittere Enttäuschung, bereits nach drei Spielen die Heimreise antreten zu müssen.
Tschechien: Martin Galia und Daniel Kubes waren - neben dem alles überragenden Filip Jicha - die Garanten für eine gute EM der Tschechen. Gegen Ungarn gelang der Befreiungsschlag und der Einzug in die Hauptrunde. Und dort erwiesen sich die Tschechen als ebenbürtiger Gegner - für jede andere Mannschaft. Am Ende platzierten sich Galia, Kubes und Co. vor Deutschland, mit ein bisschen Glück und mehr Alternativen im Angriff zu Filip Jicha wäre auch mehr drin gewesen.
Island: Vignir Svavarsson und Logi Geirsson haben das nächste Edelmetall eingeheimst. In der Neuauflage des Olympia-Finales gegen Frankreich im Halbfinale waren die "Isis" zwar chancenlos, aber sie demonstrierten gegen Polen im kleinen Finale noch einmal echte Siegermentalität. Logi Geirsson kam insgesamt zwar kaum zum Einsatz, ist für die Isländer aber ein wichtiger Spieler auch im Umfeld. Vignir Svavarsson kam meist als Backup für Robert Gunnarsson auf das Feld, erwies sich dann jedoch stets als echte Alternative. Mit viel Mannschaftsgeist, einer gefällligen taktischen Marschroute und viel Leidenschaft holte sich Island verdient die Bronzemedaille.
Deutschland: Der größte Pechvogel, wenn man es überhaupt noch so nennen darf, war bereits vor der EM gekürt. Carsten Lichtlein, der in der Vorbereitung von allen drei deutschen Torhütern wohl die konstantesten Leistungen bot, wurde selbst ausgebootet und einmal mehr in die Zuschauerrolle verbannt. Für "Lütti" ein Schlag ins Gesicht, den er aber einmal mehr mit Fassung trug. Zunächst gänzlich zuhause gelassen wurde Martin Strobel, der dann zur Hauptrunde nachgereist kam - und sich in der Hauptsache ebenso als Zuschauer auszeichnen durfte. Angesichts der mäßigen Leistungen der nominierten Spieler eher unverständlich, doch Strobel trug sein Los mit bekannt hundertprozentiger Loyalität und versucht, sich über den Verein für weitere Aufgaben zu empfehlen.
Holger Glandorf war einer der Spieler, auf dem eine horrende Verantwortung zu lasten schien. Ohne ihn war Deutschland zu ausrechenbar, der Druck war immens. Licht und Schatten wechselten sich bei Glandorf ab, der aber in jeder Sekunde der 60 Spielminuten immer dahin ging, wo es wirklich weh tat und etlichen seiner Mannschaftskollegen damit zu mehr als hundert Prozent voraus war. Bei seiner Knieverletzung hatte er Glück im Unglück, eine Pause von "nur" wenigen Tagen sind sicherlich das kleinste Übel.
Unglücklich verlief die EM ebenso für Michael Kraus. Alle Hoffnungen schienen auf dem Regisseur des TBV zu liegen - alle schlechten Leistungen schienen auch an ihm festgemacht zu werden. Dass er mehr kann - und mehr will - stellte er nie in Abrede. Es war zweifelsohne nicht seine EM, aber die teils miserablen Leistungen der gesamten deutschen Mannschaft ausschließlich am Namen Kraus fest zu machen, ist dann doch zu einfach.
Alles in allem wechselten sich bei den TBV-Akteuren in Österreich Licht und Schatten ab. Die Isländer kommen einmal mehr mit Edelmetall nach Lemgo zurück, der Rest in Teilen mit durchwachsenen Erkenntnissen. Allen gemeinsam ist jedoch, dass sie ab Montag wieder mit vollem Engagement die Rückrunde für den TBV angehen werden, auch wenn die müden Knochen nach einer längeren Pause lechzen dürften.