Der TBV Lemgo enttäuscht im ersten Spiel des Achtelfinals im EHF-Pokal auf ganzer Linie und unterliegt vor heimischem Publikum mit 27:30 (13:13).
TBV-Trainer Volker Mudrow begann gegen den Tabellenvierten der portugiesischen Liga mit folgender Aufstellung: Lichtlein, Bechtloff, Ilyés, Strobel, Glandorf, Schmetz und Svavarsson. In der Abwehr kam Daniel Kubes für Vignir Svavarsson. Gegen die offensiv ausgerichtete Benfica-Abwehr war Glandorf in der 1. Minute zum 1:0 erfolgreich, das Zaikin jedoch mit einem schönen Stemmwurf konterte. Tavares erhöhte für die Gäste sogar auf 1:2 (3.), der TBV tat sich in der Anfangsphase bereits relativ schwer, agierte nicht mit der Spiellaune wie noch unter der Woche im Ligaspiel gegen die Füchse Berlin. Das 3:2 (5.) war der dritte Treffer von Holger Glandorf, der im Angriff zunächst den Alleinunterhalter gab. Das 3:4 durch Zaikin machte dann vollends klar, dass das Spiel gegen die mit fünf portugiesischen Nationalspielern angetretenen Gäste kein Selbstläufer werden würde. In der 10. Minute wechselte Mudrow auf Rechtsaußen Florian Kehrmann ein, Michael Kraus folgte wenig später.
Erst in der 12. Minute traf – einmal mehr Glandorf zum vierten Mal für den TBV, der einfach nicht in die Partie zu kommen schien. Der Weckruf folgte vermeintlich beim 5:6 (13.) durch Kehrmann, der nach einem schönen Anspiel von Ilyés erfolgreich war. Preiß kam für Svavarsson in die Partie, aber Benfica spielte seinen Stiefel nach wie vor ruhig und abgeklärt herunter, in der 14. Minute führten die Gäste immer noch mit 6:7, Zaikin mit einem Gewaltwurf legte sogar erneut zur Zwei-Tore-Führung nach. Nach 17:04 Minuten hatte Volker Mudrow vorerst genug gesehen und bat sein Team für 60 Sekunden zu sich. Die Probleme blieben jedoch die gleichen, Carneiro traf gegen den für Galia gekommenen Lichtlein vom Siebenmeterpunkt zum 7:10 (19.).
Der TBV wirkte wie gelähmt, das 8:11 (22.) durch den erneut unbedrängt zum Wurf kommenden Zaikin zeigte auf, dass auch die Abwehr nicht auf der Höhe des Geschehens agierte. Im Angriff blieb vieles Stückwerk, gab es dann doch einmal freie Chancen, wurden diese teilweise leichtfertig vergeben. Ein Doppelschlag von Kehrmann brachte dann das 10:11 (24.), die sehenswerte Parade von Galia brachte die 4.132 Zuschauer in der Lipperlandhalle dann auch wieder auf den Plan. Benficas Coach nahm nun seinerseits nach 23:54 Minuten die Auszeit im ersten Durchgang. Auch wenn es anch wie vor kein spielerischer Glanz war im TBV-Spiel, brachte Glandorf sein Team beim 11:12 (27.) wieder auf ein Tor heran und dann war es Kehrmann, der das fast schon erlösende 12:12 (28.) erzielte. Benfica tat sich nun seinerseits gegen die wesentlich aufmerksamere TBV-Deckung schwer, das 13:12 vereitelte jedoch zunächst Ricardo Candeias mit einer Glanztat. Glandorf traf zwei Sekunden vor der Halbzeitsirene zum glücklichen Unentschieden, zuvor musste Candeias vom Feld, weil er den Ball nicht schnell genug auf den Boden gelegt hatte, Zaikin folgte nach der Schlusssirene, weil er Glandorf in der Luft angegangen war. Alles in allem tat sich der TBV unerwartet schwer gegen die keineswegs überragenden Portugiesen, die jedoch ihren Part ruhig und konzentriert auf den Punkt spielten.
Mit doppelter Überzahl ging es somit in die zweite Halbzeit. Das 14:13 durch Sebastian Preiß war zwar mehr dem Zufall geschuldet, doch das interessierte ohnehin nicht mehr, zu offensichtlich waren die Probleme und die Gefahr einer schlechten Ausgangsposition für das Rückspiel. Volker Mudrow versuchte es mit Daniel Kubes im linken Rückraum, aber in der 35. Minute lagen erneut die Gäste in Führung (14:15), Carneiro ließ zum Entsetzen der TBV-Fans per Gegenstoß das 14:16 folgen. Glandorf musste sein Team mit einem schönen Wurf aus dem ungewohnten linken Rückraum im Spiel halten, Bechtloff traf anschließend zum 16:16.
An der Unterstützung der Halle lag es zuletzt, die Fans standen zu jeder Zeit hinter dem TBV, der einfah nicht aus seiner Lethargie zu erwachen schien. Einfachste Fehler hielten die Gäste weiter im Spiel, der TBV bestand in dieser Phase nur aus Holger Glandorf, dessen 18:18 (39.) bereits sein neunter Treffer war. Tamas Mocsai verschaffte Glandorf ab der 41. Minute eine Verschnaufpause, die Zeit drohte dem TBV jedoch langsam davon zu laufen angesichts eines 19:20-Rückstandes und weiterer Fehler der einfachsten Art. Ilyés kam in der 44. Minute für Kubes zurück in den linken Rückraum, auf der Anzeigetafel stand ein ernüchterndes 19:21, das Kraus vom Siebenmeterpunkt zumindest verkürzte. Und das endlich wunderschön herausgespielte 21:21 durch Kehrmann musste doch die Initialzündung gewesen sein. Dachte man – denn Benfica konterte mit einem Tor über den Kreis. Es war zum Verzweifeln.
In der 49. Minute lag der TBV erneut mit zwei Toren im Rückstand, bei eigener Unterzahl ging das Spiel in die vorentscheidende Phase. Ein abgefälschter Wurf aus dem Rückraum von Jens Bechtloff brachte den TBV auf 22:23 heran, doch prompt kassierte der TBV die nächste Zeitstrafe und einen Siebenmeter gegen sich, den Carneiro lässig über den Kopf von dem für den Strafwurf gekommenen Lichtlein legte. Humorlos traf Carneiro anschließend auch aus dem Rückraum, das 22:25 schien die Heimniederlage endgültig zu besiegeln. Nach dem nächsten technischen Fehler und dem nächsten Gegenstoßtor, nahm Mudrow unter den Pfiffen der enttäuschten Zuschauer seine Auszeit. 52:51 Minuten waren gespielt, 22:26 lag der TBV zurück, die Pleite nahm ihren Lauf. Mocsai kam nun auf die Mittelposition, Kraus agierte in linken Rückraum. Der TBV kämpfte zumindest verzweifelt um seine Chance, Kehrmann traf in der 55. Minute zum 24:26, aber der überragend agierende Carneiro traf im direkten Gegenzug.
Das 25:29 (57.) besiegelte dann die Niederlage in der Tat endgültig. Im Angriff Stückwerk, in der Abwehr ein ums andere Mal zu langsam und unaufmerksam. Gegen die vom Papier her vermeintlich um eine Klasse schwächeren Portugiesen gab es für den TBV ein böses Erwachen. Im Rückspiel muss sich die Mannschaft von Volker Mudrow um 180 Grad gewendet präsentieren, wenn es nicht einmal mehr ein allzu frühzeitiges Aus auf internationaler Ebene geben soll.
Jose Silva: Ich weiß, dass Lemgo eine große Mannschaft hat. Wir haben uns auf dieses Spiel gut vorbereitet und auch auf Sieg gespielt. Ich denke, das ist ein historischer Sieg für den Verein. Trotzdem ist Lemgo immer noch Favorit, aber auch im Rückspiel werden wir alles daran setzen, dagegen zu halten.
Volker Mudrow: Ich bin sehr enttäuscht und sauer, welche Leistung wir heute gezeigt haben. Wir wissen, dass der EHF Pokal unsere letzte Chance ist, in dieser Saison noch einen Titel zu holen. Trotzdem haben wir es von Anfang an nicht geschafft die Portugiesen in den Griff zu kriegen. Bis zur Halbzeit hätte man vielleicht noch mit einem blauen Auge davon kommen können. Kritisch muss man mit allen Mannschaftsteilen sein. Allein in der zweiten Hälfte haben wir sechs technische Fehler gemacht. So kann man kein Spiel gewinnen. Trotzdem gilt: Abgerechnet wird erst in einer Woche. Das ist vielleicht die wichtigste Woche der Saison. Wir haben in Portugal noch die Gelegenheit alles wieder gerade zu biegen. Jeder Spieler muss nun im Rückspiel Charakter zeigen, um die enttäuschende Leistung von heute wieder wett zu machen.