Der TBV Lemgo behält in einer packenden Schlussphase die Oberhand und besiegt den THW Kiel nach einer mitreißenden Partie mit 32:30 (14:14).
Beim TBV hatte Trainer Volker Mudrow die Qual der Wahl, alle 15 Spieler standen ihm zur Verfügung. Zunächst als passiv wurden auf dem Spielbericht Logi Geirsson und Tamas Mocsai eingetragen, die beide neben der Bank Platz nahmen. Die Startaufstellung des TBV, der in der Abwehr begann, war wie folgt: Martin Galia, Jens Bechtloff, Daniel Kubes, Ferenc Ilyés, Holger Glandorf, Sebastian Preiß und Florian Kehrmann, der vorgezogen gegen die halblinke Angriffsposition des THW verteidigte. Im Angriff wechselte Kubes mit Michael Kraus, der nach seinem Muskelfaserriss wieder zur Verfügung stand, Ilyés wechselte mit Martin Strobel. Die ersten Glanzpunkte setzte Galia im Tor, der zunächst gegen Sprenger glänzend parierte und den Heber von Klein, der den Abpraller vor die Füße bekam, auch noch entschärfte. Das erste Tor erzielte jedcoh der THW, in der vierten Minute traf Ilic per Siebenmeter. Der TBV agierte in der Anfangsphase etwas zerfahren, einige technische Fehler ließen die Mannschaft nicht richtig ins Spiel finden, Sprenger erhöhte in der 5. Minute auf 0:2 für den THW. Holger Glandorf wuchtete den Ball bei passivem Vorwarnzeichen am THW-Block zum 1:2 ins Netz, nach einer weiteren super Parade von Galia legte Ilyés schön auf Bechtloff ab, der Omeyer beim 2:2 (7.) keine Chance ließ.
In der 9. Minute hatte sich der THW wieder bis auf zwei Tore lösen können (3:5), erhöhte wenig später auf drei Tore Abstand, gegen die kompakte Kieler Abwehr fehlte in dieser Phase die Durchschlagskraft. Kehrmann erhielt in der 11. Minute nach einem Trikotzupfer gegen Ilic eine Zeitstrafe, Klein nutzte prompt den Freiraum zum 3:7. Bis Kehrmann wieder auffüllen konnte, lag der THW bereits mit 3:8 in Front, dem TBV drohten frühzeitig die Felle davon zu schwimmen. 14:16 Minuten waren gespielt, als Volker Mudrow seine grüne Karte auf den Zeitnehmer-Tisch legte, seine Mannschaft hatte sich Sekunden zuvor das 3:9 durch Ilic eingefangen. Rolf Hermann kam nun im rechten Rückraum für Holger Glandorf, der eine Pause erhielt. Zudem stellte Mudrwo die Deckung auf eine klassische 6:0-Variante um. Ilyés war es dann in der 17. Minute vorbehalten, den nächsten Treffer zum 4:9 zu erzielen.
Das folgende Siebenmeter-Geschenk für den THW, bei dem Ilyés zusätzlich für zwei Minuten vom Feld musste, setzte Ilic gegen Lichtlein an den rechten Pfosten, Kraus traf nach einer energischen Einzelleistung zum 5:9 (18.), das Andersson jedoch prompt konterte. Das 6:10 (19.) nach herrlichem Anspiel von Kraus auf den eingelaufenen Kehrmann weckte die Zuschauer im ausverkauften Gerry Weber Stadion aus ihrer zwischenzeitlichen Lethargie, doch die Abpraller fanden auch in der Folge die Gäste, Andersson konnte somit erneut nachlegen. Dann schickten Damian/Wenz Kubes vom Feld, das Publikum kam richtig in Wallung, Kehrmann traf per Gegenstoß zum 8:11. Alfred Gislason nahm nun seine Auszeit, 21:46 Minuten waren gespielt. In Unterzahl traf Hermann zum 9:11, die Halle war nun wieder bis auf den letzten Zuschauer voll wach. Nach dem 10:12 (24.) durch Strobel wechselte Gislason Palicka für den glücklosen Omeyer im Tor ein, Narcisse kam ebenso erstmals ins Spiel, für ihn nahm Jicha auf der Bank Platz. Der TBV war nun jedoch vollends im Spiel angekommen, im Angriff war mehr Zug zu verspüren, der TBV kämpfte um seine Chance. Preiß traf nach einem schönen Anspiel zum 11:13, aber Andersson war erneut zur Stelle, der Schwede war aus dem Rückraum der torgefährlichste Kieler bis dahin. In der 28. Minute war es dann erneut Michael Kraus, der beim 13:14 den Anschluss herstellte, Kiel wirkte nicht mehr so souverän wie zu Beginn, der TBV war auf Augenhöhe. Dann wurde es richtig emotional: Kubes erhielt seine zweite Zeitstrafe, doch der THW vergab seine Chance, Martin Strobel traf hingegen Sekunden vor der Halbzeitsirene mit dem 14:14 zum umjubelten Ausgleich.
Der TBV begann die Zweite Halbzeit unverändert, hatte noch eine Minute in Unterzahl zu überstehen, Hermanns Hüftwurf sprang vom Innenpfosten zurück in Kehrmanns Arme – der TBV hatte auch diese Unterzahl gut weggesteckt. Kraus traf anschließend von Halblinks zur ersten Führung (15:14.), überhaupt war er kaum aufzuhalten, legte auch das 16:15 nach, Ahlm zog für den THW nach. Kiel stellte seine Deckung nun um, agierte vorgezogen gegen Kraus. Das Spiel war nun völlig offen, Kiel konnte in Führung gehen, aber ein grandios aufgelegter Galia hinter einer starken Deckung ließ wenig zu, Hermann traf hingegen zum 17:16 (36.), die Halle kochte. Preiß legte zum 18:16 nach, das Spiel war mitreißend. Kiel hielt voll dagegen, aber der TBV hatte die besseren Momente. Kehrmann traf zum 19:17 nach einem Gegenstoß, Gislason bat sein Team sehr früh für 60 Sekunden zu sich, 37:57 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt erst gespielt. Aber nach der nächsten Galia-Parade war es erneut Kehrmann, der einen Gegenstoß abschloss, 20:17 stand auf der Anzeigetafel. Danach erhielt Kehrmann eine Pause, für ihn kam Schmetz in die Partie. Gallia war in dieser Phase kaum zu überwinden und mit einer tollen Angriffsleistung zog der TBV in der 41. Minute nach einem Tor von Preiß auf 22:18 davon. Und der TBV-Express rollte weiter, 24:19 (44.) und eine Zeitstrafe gegen Andersson, der TBV schien auf die Siegerstraße einzubiegen. Zwar traf Sprenger in Unterzahl, aber Hermann konterte trocken rechts oben in die Ecke.
Beim 26:20 (46.) betrug der Vorsprung erstmals sechs Tore, der TBV war Herr im Hause, dominierte die Partie zu diesem Zeitpunkt in jeder Beziehung. Ilyés musste für zwei Minuten vom Feld, der THW deckte nun mit zwei Spielern vorgezogen, uninteressant für Hermann, der Omeyer den Ball zum 27:21 (47.) durch die Hosenträger jagte. Und nach einem Fehlwurf von Zeitz war es Bechtloff, der Omeyer zum 28:21 überwand. Palicka kam erneut für den Franzosen zwischen die Pfosten, der THW wirkte kopflos. Hermann erhielt eine Pause, für ihn kam Glandorf zurück. Erneut hatte Kiel Glück mit einem Abpraller, Andersson verkürzte auf 28:23 (50.), doch Glandorf hielt entschlossen dagegen.
Das Spiel war noch nicht entschieden, Kiel kämpfte verbissen, in der 53. Minute stand es 30:25, Kiel hatte den Ball, aber Ilic setzte den Aufsetzer über das Tor, der überragende Galia musste diesmal nicht eingreifen. Hermann kehrte für Glandorf zurück in die Partie, Klein erzielte per Gegenstoß zum 30:26, Volker Mudrow nahm seine Auszeit im zweiten Durchgang. 53:18 Minuten waren gespielt. Aber der nächste Treffer ging erneut auf das Konto der Gäste, Narcisse traf zum 30:27, Andersson legte zum 30:28 nach und Bechtloff musste zusätzlich für zwei Minuten vom Feld. 54:36 Minuten waren abgelaufen, das Spiel drohte zu kippen. Und nach einem vermeintlichen Stürmerfoul von Glandorf nutzte Klein die Chance – 30:29 (56.). Endlich traf dann Kraus aus TBV-Sicht, das 31:29 war Balsam für die Nerven. Und nach Anderssons Stürmerfoul, das ähnlich knapp wie das von Glandorf war, hatte der TBV die Chance zur Vorentscheidung, erst Recht, als Anic in der 58. Minute eine Zeitstrafe erhielt. Die Überzahl nutzte Strobel zum 32:29, der Sieg war greifbar. Es wurde doch noch spannend. Der TBV verwarf, Kiel bekam einen Siebenmeter beim 32:30 zugesprochen, aber Sprenger versagten die Nerven. Das Spiel war gelaufen, der TBV erkämpfte sich ein überragendes 32:30 – letztlich verdient und in einer erneut grandiosen Atmosphäre.
Die Stimmen zum Spiel:
Alfred Gislason: Glückwunsch an den TBV Lemgo zu diesem Sieg. Wir haben wahrscheinlich zu gut angefangen. Wir haben sehr gut gedeckt, Lemgo hat auch schwach geworfen, das lief zu gut. Dann hatten einige meiner Spieler eine Tiefschlafphase bis 10 Minuten vor Ende. Wir haben zu unkonzentriert gedeckt, haben den TBV ins Spiel gebracht. Es war wurde dann zwar noch einmal spannend, weil wir uns zurück gekämpft haben, aber am Ende hat es nicht gereicht.
Volker Mudrow: Ich bin natürlich sehr zufrieden, keine Frage. Beim 3:9 waren wir in einer sehr schwierigen Phase, da mussten wir noch einmal die Kurve kriegen. Wir haben dann die Deckung auf 6:0 umgestellt, Ferenc Ilyés und Daniel Kubes haben überragend, wirklich überragend im Innenblock gedeckt. Wir hätten dieses Spiel auch deutlich höher gewinnen können, haben am Ende aber einige klare Chancen liegenlassen. Kiel kam dann noch einmal auf, aber letztlich haben wir denke ich verdient gewonnen.