Nach einer starken Anfangsphase gerät der TBV deutlich in Rückstand, kämpft sich aber zurück in die Partie und behält die Nerven.
Der TBV begann im Pabellon Principe Felipe mit folgender Aufstellung: Martin Galia, Jens Bechtloff, Michael Kraus, Martin Strobel, Holger Glandorf, Mark Schmetz und Sebastian Preiß. In der Abwehr kamen fast schon wie gewohnt Ferenc Ilyés und Daniel Kubes für Kraus und Strobel in die Partie. Das erste Tor der Partie erzielten die Hausherren, Sorli traf nach einem Gegenstoß, im Gegenzug zog Glandorf den Ball herrlich rechts oben in den Winkel zum 1:1 (2.). Der TBV war von Beginn an in der Partie, zeigte sich hoch konzentriert und ließ sich durch die laute Kulisse in keiner Weise beeindrucken. Das 4:2 (5.) durch Kraus war der gerechte Lohn für die Anfangsphase. Aragon tat sich zwar schwer gegen die TBV-Abwehr, blieb jedoch im Spiel, nutzte jeden kleinen Fehler konsequent aus, so dass in der 7. Minute ein 5:5 auf der Anzeigetafel stand. Und keine Minute später hatte Aragon die Chance zum Führungstreffer, doch Galia behielt gegen Carton beim Siebenmeter die Nerven.
Stankovic war es dann, der in der 9. Minute das 5:6 erzielte, Preiß saß eine Zeitstrafe ab, aber der TBV blieb ruhig, spielte seine Konzeptionen konzentriert weiter und ging in der 11. Minute wieder mit 7:6 in Führung. Das Spiel ging nun hin und her, Aragon ging seinerseits beim 7:8 wieder in Führung, Kraus legte nach einer Einzelaktion nach. Der TBV leistete sich insbesondere in der ersten Welle einige leichte Fehler, so fing Torhüter Malumbres bis Mitte der ersten Halbzeit bereits drei Pässe im Gegenstoß ab. Volker Mudrow brachte in der 15. Minute Florian Kehrmann für Schmetz in die Partie, mit Glück und Geschick stand es eine Minute später 10:10, Glandorf war erfolgreich gewesen.
Aber der Spielfluss der ersten Minuten war dahin, der TBV war nun mehr auf Einzelaktionen angewiesen, so wie bei dem schönen Hüftwurf von Strobel zum 11:11 bei angezeigtem Passiv-Vorwarnzeichen. Die Partie wurde nun hitziger, die Schiedsrichter Buy/Pichon pfiffen zunächst Schritte gegen Strobel und schickten ihn im direkten Gegenangriff wegen angeblichen Klammerns für zwei Minuten vom Feld. Galia parierte gegen Stojanovic bereits den dritten Siebenmeter, aber im Angriff fehlte die Disziplin, Aragon ließ sich nicht bitten und ging in der 21. Minute beim 11:13 erstmals mit zwei Toren in Führung.
Dann folgte die erste kritische Phase: Die französichen Unparteiischen übersahen einen üblen Ellbogencheck gegen Preiß, die freie Lücke nutzte Aragon zum 14:11 (22.). Der TBV musste nun im Spiel bleiben, Mudrow brachte Hermann für Glandorf, Svavarsson kam für Preiß, der behandelt werden musste. Aber selbst in Überzahl lief es nun nicht mehr, Aragon ging mit 11:15 in Führung, Lichtlein kam für den allerdings schuldlosen Galia zwischen die Pfosten. Kraus war es in dieser Phase, der im Angriff den TBV im Spiel hielt, 12:16 lag Aragon bereits in Front, das Spiel war gekippt, erneut trafen die Hausherren über den Kreis, das 13:17 brachte den TBV weiter in Zugzwang. Und beim 13:18 (27.) war der Vorsprung fast schon verspielt, Mudrow nahm seine Auszeit, 26:36 Minuten waren zu diesem Zeitpunkt gespielt.
Besserung war jedoch zunächst nicht in Sicht, Lichtlein parierte gegen Arrhenius, aber der nächste technische Fehler im Angriff folgte umgehend. Lichtlein war es mehrfach zu verdanken, dass Aragon nicht mit sechs Toren in Front ging, in der 30. Minute parierte er unter anderem einen Gegenstoß von Stojanovic, Ilyés traf anschließend endlich wieder für den TBV zum 14:18. Aragon-Coach Ortega nahm 18 Sekunden vor der Halbzeitsirene noch einmal seine Auszeit. Doch auch mit einem direkten Freiwurf nach Ablauf der Uhr konnte Aragon kein Tor mehr erzielen. Dem TBV war nach einer guten Anfangsphase das Spiel zusehends aus den Händen geglitten, in der hitzigen Atmosphäre waren nun in der zweiten Hälfte die Nerven gefordert. Ein Szenario, das man verhindern wollte und durchaus hätte verhindern können.
Mudrow begann die zweite Hälfte wieder mit Glandorf, Preiß konnte zudem wieder mitwirken. Ilyés spielte im linken Rückraum, Kraus erhielt eine Pause. Nach einer weiteren Parade von Lichtlein traf Glandorf zum wichtigen 15:18 (32.). Der TBV kämpfte, hatte jedoch nach wie vor eine hohe Fehlerquote. Glandorf traf beim 16.19 erneut, die Deckung stand nun wieder besser und Ilyés legte zum 17:19 (36.) nach, der TBV war wieder wesentlich besser im Spiel. Aragon war in Form von Larsson in dieser Phase gefährlich, zwei Tore in Folge steuerte der Schwede bei, aber der TBV konterte in Form von Ilyés, beim 19:21 (37.) hatten die zwei Tore Rückstand weiter Bestand. Prompt folgte die nächste kritische Phase, Strobel musste beim 19:22 (39.) für zwei Minuten vom Feld, nachdem er nach dem Pfiff den Ball ins Nichts geworfen hatte. Kubes mit einem schönen Steal und einem Gegenstoß brachte den TBV jedoch zunächst auf 20:22 heran.
Und der TBV bekamn nun vermeintlich Oberwasser, Lichtlein parierte erneut glänzend und die Chance, auf ein Tor heran zu kommen, nutzte Ilyés entschlossen (22:23, 43.). Keine Minute später war jedoch Grebenar für Aragon zur Stelle, der TBV war beim 22:25 erneut mit drei Toren im Rückstand. Preiß bekam zu allem Überfluss die nächste Zeitstrafe aufgebrummt, Aragon legte umgehend zum 22:26 (46.) nach. Das 23:28 (48.) brachte die Halle wieder zum Kochen, Kraus kam nun im Angriff für Strobel auf die Mittelposition, sein 24:28 in der gleichen Minute war ungemein wichtig, ebenso wie Svavarssons 25:28 eine Minute später, als erneut das passive Spiel drohte.
Was folgte war die nächste Zeitstrafe, wieder gegen den TBV. Svavarsson musste diesmal vom Feld, aber Carton scheiterte zunächst mit einem Heber von rechts außen und dann ging Bechtloff per Gegenstoß auf die Reise und behielt beim 26:28 (51.) die Nerven. Das Spiel war längst nichts mehr für schwache Nerven, es ging auf und ab, Carton versagten beim Siebenmeter gegen Lichtlein selbige, es blieb beim 26:29. Und es folgte einmal mehr eine Zeitstrafe – einmal mehr gegen den TBV, diesmal traf es Ilyés. Lichtlein verhinderte mit einer tollen Parade das 30. Tor der Spanier, es waren keine sieben Minuten mehr zu spielen. Kraus hatte es anschließend beim Siebenmeter in der Hand, eine Vorentscheidung herbei zu führen. Er ließ Malumbres keine Chance, das 27:29 (55.) zwang Ortega zu seiner Auszeit, es waren exakt 54:53 Minuten gespielt.
Und dann folgte das gleiche Spielchen wie die Minuten zuvor – die nächste Zeitstrafe der völlig überforderten Unparteiischen. Wieder musste Ilyés vom Feld, es war zum Verzweifeln. Carton brachte Aragon mit 27:30 in Führung, nun deckte Aragon mit zwei vorgezogenen Spielern. Der Arm der Schiedsrichter ging erstaunlich schnell nach oben, wieder Carton, es stand 27:31 (57.). Dann rettete Lichtlein nach dem nächsten technischen Fehler gegen den völlig frei auftauchenden Casanova, Glandorfs Treffer zum 28:31 ließ die Halle schlagartig ruhiger werden, Lichtleins Parade war die Entscheidung.
In den letzten Sekunden passierte eigentlich nicht mehr viel, bis Mudrow bei 59:09 Minuten noch einmal seine Auszeit nahm. Das Publikum tobte, die Spanier tobten, das Weiterkommen des TBV war besiegelte Sache, lediglich Carton und Lamadrid brannten noch die Sicherungen gegen Bechtloff durch, der allerdings auch für zwei Minuten vom Feld musste, und waren mit ihren Zeitstrafen noch gut bedient.
Verwirrung gab es dann auch noch am Kampfgericht, zunächst stand ein 30:32 für Aragon zu lesen, dann ein 31:32, alle anwesenden Journalisten hatten jedoch ein 30:31 auf ihren Statistikzetteln stehen. Die Statistik gibt nun auch offiziell ein 31:32 für Aragon wider: Das zu viel erzielte Tor des TBV wurde Jens Bechtloff gut geschrieben, der auch nach eigener Aussage definitiv nur zwei Tore erzielt hat, das eine Tor mehr bei den Spaniern ist nicht mehr nachzuhalten.
Stimmen zum Spiel:
Volker Mudrow: (angesprochen auf die erste Frage, warum er die Auszeit genommen hat in Halbzeit zwei) Die Frage ist sicherlich erlaubt, es war regelkonform und von daher müssen wir im Prinzip auch nicht erklären, warum wir nach den Regeln handeln.
Ansonsten ist die Pressekonferenz kaum wiederzugeben, sogar Volker Zerbe musste eingreifen als die spanischen Journalisten sogar die Schiedsrichterleistung als Grund für das Ausscheiden heranziehen wollten.