Der TBV Lemgo holt gegen den TSV Dormagen vor heimischen Publikum einen knappen 27:26 (14:15)-Sieg und behält die Punkte in der Lipperlandhalle.
Die TBV-Anfangsformation bestand aus: Carsten Lichtlein, Jens Bechtloff, Ferenc Ilyes, Martin Strobel, Rolf Hermann, Florian Kehrmann und Vignir Svavarsson. Daniel Kubes kam in der Abwehr für Strobel in die Partie. Hermann eröffnete gleich mit dem ersten Angriff das Torewerfen seitens des TBV, er ließ Feshchanka im TSV-Tor keine Chance. Dormagen ergab sich jedoch keineswegs in die Rolle des kompletten Underdogs , spielte munter mit und ging durch Meyer und Dmytruszynski seinerseits mit 1:2 in Führung, Balomenos legte in der 5. Minute sogar zum 1:3 nach.
Der TBV agierte in der Anfangsphase in Abwehr wie Angriff zu verhalten, Dormagen nutzte die sich bietenden Chancen konsequent, der TBV fand sehr schleppend in die Partie. Das 3:6 (10.) durch Chantziaras war nicht einmal unverdient, Volker Mudrow legte umgehend die grüne Karte, 9:27 Minuten waren gespielt, in der Folge löste Preiß am Kreis Svavarsson ab. Hermann traf anschließend zum 4:6 (11.), in der Abwehr war nun vermeintlich mehr Entschlossenheit zu erkennen, der TSV tat sich zunächst schwerer, allerdings fehlte im eigenen Angriff nach wie vor die nötige Sicherheit, so dass der TSV zunächst wieder auf 4:7 (15.) erhöhen konnte. Nach dem 4:8 (16.) kam Mocsai auf die Mitte, das 5:8 (17.) erneut durch Hermann war zwar schön herausgespielt, 5 Tore in 17 Minuten spiegelten jedoch die bis dahin äußerst schwache Angriffsleistung wider.
Es lief weiter nicht rund beim TBV, nach dem 6:9 (18.) löste Galia den glücklosen Lichtlein im Tor ab, aber seine Vorderleute agierten weiter über weite Strecken völlig ohne Biss, Dormagen dankte und ging beim 6:11 (21.) sogar mit fünf Toren in Führung.
Nach einem vermeintlichen Stürmerfoul von Preiß beschwerte sich dieser nach Meinung der Schiedsrichter Harms/Mahlich zu heftig, eine Zeitstrafe war die Konsequenz. Kehrmann stiebitzte sich den Ball, wurde beim Gegenstoß von Chantziaras gefoult, der ebenso vom Feld musste, Kraus verwandelte den fälligen Siebenmeter zum 7:11 (22.). Aber bereits die nächste Großchance wurde leichtfertig vergeben, der TBV war im Vergleich zum EHF-Cup-Halbfinale nicht wiederzuerkennen. Kubes kam im Angriff nun für Ilyés auf die linke Rückraumposition, Kraus brachte den TBV beim 8:11 (24.) heran.
Dormagen legte zwar zunächst weiter mit vier Toren vor, beim TBV lief der Ball im Angriff nun allerdings deutlich besser und holte weiter auf, beim 11:13 (26.) war die Halle auch wieder voll da. TSV-Trainer Kai Wandschneider nahm seinerseits die Auszeit im ersten Durchgang, 25:39 Minuten waren gespielt. Kehrmann als vorgezogene Spitze störte den Dormagener Angriff sehr effektiv, beim 12:13 (27.) war der TBV „dran“, musste allerdings für zwei Minuten auf Hermann verzichten, den die Schiedsrichter ebenfalls wegen „Meckerns“ vom Feld stellten. Beim Stand von 12:14 (29.) ließ der TBV einen Siebenmeter ungenutzt, Dormagen erhöhte wieder auf 12:15. Aber der TBV war nun endlich auch für jeden Zuschauer sichtbar heiß darauf, der Partie endlich die Wende zu geben. Mocsai mit zwei Toren in Folge brachte den TBV zumindest wieder auf ein Tor heran, beim Stand von 14:15 wurden dann die Seiten gewechselt.
In der zweiten Halbzeit agierte Kehrmann weiter als vorgezogener Spieler in der Deckung zudem spielte Glandorf weiterhin im rechten Rückraum für Hermann. Der TSV traf zunächst zum 14:16 (32.), Kehrmann mit einer schönen Einzelleistung aus der zweiten Welle heraus verkürzte und traf anschließend ebenso entschlossen zum 16:16 (34.). Dormagen hielt alledings weiter munter mit, legte zum 16:17 und 17:18 nach, der TBV musste weiter hart für den Erfolg kämpfen. Kehrmann war es in dieser Phase, der sein Team im Rennen hielt, in Unterzahl war er zum 18:18 (38.) erfolgreich. Noch während der Unterzahl musste auch Glandorf für zwei Minuten vom Feld, diese Zeitstrafe war allerdings schon sehr fraglich. Galia hielt in der zweifachen Unterzahl glänzend gegen Chantziaras, aber Dmytruszynski konnte dann doch für den TSV auf 18:19 (40.) erhöhen, die der TBV kurz danach jedoch egalisieren konnte.
Galia mit der nächsten Glanztat sorgte für die nächste Chance zur Führung, aber Glandorf scheiterte am Pfosten. Schmetz verschaffte Kehrmann die dringend nötige Pause, aber auch die nächste Großchance zur Führung wurde vergeben. Allerdings hatte der TSV selbst im Angriff zunehmend Mühe, zu klaren Chancen zu kommen, so dass Mocsai in TBV-Unterzahl trocken unten rechts zum 20:19 (47.) einnetzte – die erste Führung seit dem 1:0.
Nun verloren allerdings Harms/Mahlich völlig den Faden, gaben beim Gegenstoß von Kehrmann keinen Freiwurf, schickten Bechtloff wegen vermeintlicher Fußabwehr vom Feld. Die Halle kochte. Lochtenbergh nahm vom Siebenmeterpunkt dankend an und glich zum 21:21 aus, aber Preiß brachte den TBV einmal mehr in Unterzahl wieder in Führung (22:21, 49.). Mocsai hatte nach der nächsten Parade von Galia die Nerven, die unaufmerksame Dormagener Deckung mit einem hohen weiten Pass auf Kehrmann zu überwerfen, der Rechtsaußen traf sicher gegen Vortmann zum 22:20. TSV-Coach Wandschneider nahm seine Auzeit, 48:56 Minuten waren gespielt.
Nach dem 22:21 (50.) leistete sich der TBV den Luxus, gleich zwei Siebenmeter ungenutzt zu lassen, Lochtenbergh hingegen blieb einmal mehr eiskalt vom Punkt und glich zum 22:22 (52.) aus. Das Spiel ging nun hin und her, der TBV legte vor, der TSV zog nach. Nach dem 24:23 durch Preiß war es anschließend Bechtloff, der mit einem herrlichen Dreher aus dem Gegenstoß das 25:23 (55.) erzielte. Aber der Vorsprung brachte keine Sicherheit ins TBV-Spielt, im Gegenteil, in der 58. Minute glich Dormagen erneut aus (25:25). Glandorf wuchtete den Ball dann in die TSV-Maschen, dem 26:25 (59.) folgte aber der nächste Siebenmeter für die Gäste. Lochtenbergh trat zu seinem sechsten Versuch an – und scheiterte erstmals an Galia. Die Zuschauer standen nun geschlossen auf, trieben ihren TBV nach vorne. Ilyés wurde in den Wurfarm gegriffen, zum Siebenmeter kam erneut Schmetz. Er gab Vortmann das Nachsehen, aber in der folgenden Szene schenkten die Schiedsrichter dem TSV erneut einen Siebenmeter. Holst übernahm die Verantwortung und traf zum 27:26, aber praktisch mit dem Tor erlöste die Schlusssirene den TBV und seine Fans.
Die Stimmen zum Spiel:
Kai Wandschneider: Zunächst einmal Glückwunsch an den TBV. Ich war überrascht, dass das Spiel so knapp war. Bisher haben wir gegen die Spitzenmannschaften fast immer zweistellig verloren. Ich muss unserer Spielern ein riesen Kompliment machen. Sebastian Preiß hat unsere Abwehr am Ende einige Male hinterlaufen, ansonsten stand unsere Deckung gut. Der Schlüssel zum Erfolg für den TBV war meiner Meinung nach die Umstellung von Volker Mudrow auf die 5:1-Variante. Wir haben zwar immer noch gut dagegengehalten, der verworfene Siebenmeter am Ende war vielleicht entscheidend, dass wir keinen Punkt geholt haben, aber so ist es nun einmal im Sport.
Volker Mudrow: Dormagen hat uns alles abverlangt. Wir können nur sagen, dass wir als glücklicher Sieger vom Platz gegangen sind, von daher bin ich zufrieden. Wir wussten, wir können die Partie nur noch über die richtige Einstellung gewinnen, nachdem wir Dormagen in der ersten Hälfte mit 6:11 davonziehen haben lassen. Martin Galia hat das Spiel am Ende mit wichtigen Paraden für uns entschieden, ob der Sieg verdient war, weiß ich nicht. Letztlich zählt das natürlich nicht, aber wir müssen damit jetzt zufrieden sein.