Der TBV Lemgo lässt gegen GWD Minden nichts anbrennen und gewinnt im Gerry Weber Stadion hochverdient mit 38:24 (20:12).
Der TBV begann das Ostwestfalen-Derby mit Martin Galia im Tor, Jens Bechtloff, Michael Kraus, Martin Strobel, Holger Glandorf, Florian Kehrmann, der trotz fiebriger Erkältung auflief, und Vignir Svavarsson. Sebastian Preiß fehlte aufgrund von Kniebeschwerden, er wurde vorsichtshalber geschont. In der Abwehr wechselten Daniel Kubes und Ferenc Ilyés mit Kraus und Strobel. Kraus besorgte gleich im ersten Angriff das 1:0 mit einem trockenen Siebenmeter über Medhus hinweg. Eine ganz starke Anfangsphase legte auch Martin Galia hin, der Minden sofort die ersten beiden Würfe abnahm, Kehrmann erhöhte per Gegenstoß auf 2:0, Svavarsson mit einem Solo über das ganze Feld legte sogar zum 3:0 (4.) nach. Gylfason traf anschließend zum ersten Mal für die Gäste, denen nicht unbedingt anzumerken war, dass sie ihre wahrscheinlich letzte Chance auf den Klassenerhalt nutzen wollten.
Beim 5:1 (6.) durch Kehrmann im Nachwurf war fast schon klar, wer an diesem Nachmittag das Gerry Weber Stadion als Sieger verlassen würde. Insbesondere im Angriff unterliefen Minden immer wieder einfache Fehler, der TBV war deutlich Herr im Hause. GWD-Coach Ulf Schefvert nahm nach dem 6:1 durch Svavarsson seine Auszeit im ersten Durchgang, 7:02 Minuten waren erst gespielt. Bitter für Minden war dann zudem, dass sich nach nicht einmal acht gespielten Minuten Rene Madsen am Oberschenkel verletzte und erst einmal auf der Bank Platz nehmen musste.
Das erste Highlight setzten Martin Strobel und Jens Bechtloff, der das Kempa-Anspiel des Spielmachers mit einem herrlichen Heber zum 8:3 (11.) abschloss. In der 14. Minute hatte GWD den Rückstand beim 9:6 zumindest verringern können, der TBV ging mit seinen Chancen ein wenig zu leichtfertig um, lief allerdings keine Gefahr, in ernsthafte Bedrängnis zu geraten. Und beim 11:6 (18.) durch Kehrmann war denn auch erstmals ein Fünf-Tore-Vorsprung herausgeworfen.
Rolf Hermann löste in der 19. Minute Holger Glandorf im rechten Rückraum ab, das Bild blieb das gleiche, der TBV war in der Abwehr vor einem starken Galia hellwach, Svavarsson traf mit dem nächsten Gegenstoß zum 13:7 (21.) und legte keine 30 Sekunden später mit seinem sechsten Treffer zum 14:7 nach - Katsigiannis löste in der Folge den glücklosen Medhus ab. Nicht zu stoppen war indes weiterhin Vignir Svavarsson, sein 16:9 (25.) war sein siebtes Tor, Hermann legte mit seinem zweiten Tor kurze Zeit später das 17:9 nach. Ilyés spielte nun auch im Angriff, er legte prompt auf Bechtloff ab, der das 18:10 (27.) erzielte. Der TBV war den Gästen in allen Belangen überlegen, musste nur seine Chancen konsequent nutzen, um zu einem klaren Sieg zu kommen. Unmittelbar vor der Pausensirene ließ Hermann mit dem 20:12 Katsigiannis einmal mehr keine Chancen, mit der verdienten Acht-Tore-Führung ging es dann auch in die Kabinen.
In der zweiten Halbzeit kam Carsten Lichtlein ins TBV-Tor, Mark Schmetz löste Florian Kehrmann auf Rechtsaußen ab, im Angriff agierte Tamas Mocsai auf der Mitte. Svavarsson sah nach einer Fußabwehr die erste Zeitstrafe der Partie, GWD-Coach Schefvert wenig später nach einem Siebenmeter-Pfiff gegen sein Team nach einer weiteren Beschwerde die gelbe Karte. Schmetz legte mit seinem zweiten Siebenmeter das 22:14 (34.) vor, das Spiel war längst entschieden, fraglich erschien lediglich noch die Höhe des Sieges. Prompt schluderte der TBV ein wenig mit seinen Chancen, allerdings konnte Minden kein Kapital daraus schlagen, stattdessen erhöhte Mark Schmetz mit zwei Gegenstößen innerhalb weniger Sekunden wieder auf 24:16 (39.). Mocsai und erneut Schmetz legten sogar zum 26:16 (40.) nach, Ulf Schefvert nahm umgehend seine Auszeit, 40:03 Minuten waren gespielt.
Das Spiel plätscherte nun mehr oder weniger vor sich hin, der TBV kontrollierte das Geschehen, Minden versuchte mitzuspielen, Schmetz mit seinem achten Tor erhöhte dennoch beim 30:19 (48.) erstmals auf 11 Tore Vorsprung. Glandorf kehrte nun wieder in den rechten Rückraum zurück, Ilyés mit einem schönen Steal an der Mittellinie brachte die 7.800 Zuschauer mit seinem 32:19 richtig in Stimmung. Minden spielte nun mit Jannik Oevermann auf Rechtsaußen, das Projekt „Jugend forscht“ wurde konsequent weitergeführt, nachdem Sören Südmeier bereits seit dem Ausfall von Madsen eine gefällige Partie bot und auch mit Helmdach ein weiterer Nachwuchsspieler fast durchspielen musste.
Der TBV legte unbeirrt nach, Kehrmann agierte mittlerweile als vorgezogener Spieler in der 5:1-Deckung, Ilyés erhöhte mit einer Einzelleistung auf 34:20 (53.). Michael Kraus kam in letzten fünf Minuten im Angriff noch einmal zum Einsatz, der TBV spulte sein Pensum locker und souverän herunter und hätte das Ergebnis noch wesentlich deutlicher gestalten können. Am Ende stand jedoch ein lockerer und nie gefährdeter 38:24-Erfolg zu Buche, der Selbstvertrauen für die kommenden Aufgaben gegen TSV Hannover-Burgdorf und insbesondere im Hinblick auf das EHF-Pokalfinale gegen Schaffhausen geben sollte.
Ulf Schefvert: Wir haben gehofft, dass wir heute besser spielen können, wir wollten an die gute schwedische Tradition der Tennisspieler hier in Halle anknüpfen wollen. Aber dann stand es schnell 6:1 und wir haben es dann nicht mehr geschafft, zurück zu kommen. Ich bin froh, dass wir 24 Tore geworfen haben, das ist okay, aber Lemgo war heute definitiv zu stark für uns und dann wurde es am Ende eine so klare Angelegenheit. Lemgo war eindeutig eine Nummer zu groß für uns.
Volker Mudrow: Wir wollten das Spiel seriös angehen, denn wir wussten, dass Minden um die letzte Chance kämpfen wird. Der Kader von Minden hat sich schon beim Aufwärmen noch verkleinert. Putics hat nicht gespielt, Madsen nur zehn Minuten. Das Ergebnis insgesamt geht in Ordnung, obwohl wir etwas zuviele Gegentore bekommen haben. Mark Schmetz hat die Laune der Zuschauer in der zweiten Hälfte mit seinen neuen Toren alleine hochgehalten.