Der TBV Lemgo geht mit einem 31:25 (16:13)-Sieg gegen Hannover-Burgdorf im Rücken in das EHF-Pokalfinale am Sonntag.
Der TBV begann die Revanche für die bittere Hinspiel-Niederlage in folgender Aufstellung: Carsten Lichtlein, Jens Bechtloff, Michael Kraus, Martin Strobel, Rolf Hermann, Florian Kehrmann und Vignir Svavarsson. In der Abwehr kamen wie fast schon gewohnt Daniel Kubes und Ferenc Ilyés für Strobel und Kraus. Erneut nicht mit von der Partie war Sebastian Preiß, der aufgrund seiner Kniebeschwerden geschont wurde. Das 1:0 (1.) von Kraus egalisierte der TSV im Gegenzug, Kraus ließ jedoch umgehend seinen zweiten Treffer folgen. Hannover konnte in der Lipperlandhalle befreit aufspielen, hatte man den Klassenerhalt doch seit dem letzten Spieltag auch rechnerisch sicher. Der TBV war von Beginn an jedoch hoch konzentriert und setzte sich bis zur 4. Minute bereits auf 4:1 ab.
Svavarssons Einsatz, als er sich in der 6. Minute nach dem Ball hechtete und im Liegen auf Bechtloff ablegte, war sinnbildlich für den engagierten Auftritt des TBV. Hannover versuchte das Tempo des TBV mitzugehen, über 5:1 (6.) und 6:2 (9.) jeweils durch Bechtloff setzte sich der TBV ab. Der TSV ließ jedoch nicht nach, kam in der 11. Minute zum 6:4 und war nicht gewillt, sich frühzeitig in eine Niederlage zu fügen. Hermann brachte mit einem wuchtigen Sprungwurf den TBV jedoch zunächst wieder mit 9:5 (14.) in Front, ehe Aivis Jurdzs relativ unbedrängt keine zwei Minuten später zum 9:7 für die Gäste traf.
Die 3.451 Zuschauer in der Lipperlandhalle sahen ein gefälliges Spiel von beiden Mannschaften, bei dem der TSV nach wie vor seinen Teil zum Gelingen beitrug. Was das 10:9 (19.) erneut durch Jurdzs unterstrich. Nach diesem Treffer wechselte Volker Mudrow im Tor, Galia kam für den bis dahin keineswegs schlechten Lichtlein, Glandorf wechselte zudem mit Hermann. Strobels entschlossener Alleingang zum 12:9 (22.) aus der zweiten Welle heraus brachte den TBV wieder etwas komfortabler in Front. Ilyés löste nun zudem auch Kraus im Angriff im linken Rückraum ab, der TBV blieb nach wie vor das einen Tick bessere Team, ohne sich entscheidend lösen zu können.
23:58 Minuten waren gespielt, als TSV-Coach Frank Carstens beim Stand von 13:10 seine Auszeit im ersten Durchgang nahm. Lehnhoff legte in der Folge seinen zweiten Heber vom Siebenmeterpunkt an die Unterkante der Latte, der Ball sprang erneut ins Tor, diesmal zum 13:11 (26.). Der TBV hielt den Zwei-Tore-Vorsprung in den folgenden Minuten, legte vor, der TSV zog nach. Beim 16:13 waren noch 15 Sekunden zu spielen, als Volker Mudrow seine grüne Karte legte. Martin Strobel kam kurz vor der Halbzeitsirene noch einmal zum Wurf, er verfehlte das Tor jedoch knapp, so dass es mit dem Drei-Tore-Vorsprung in die Kabinen ging.
Die zweite Halbzeit begann der TBV mit der gleichen Aufstellung wie in den letzten Minuten des ersten Durchgangs. Den besseren Start erwischte jedoch der TSV, der in der 33. Minute auf 16:15 verkürzte. Kraus kam nun auf die Mittelposition, Strobel agierte im linken Rückraum. Und Strobel war dann auch der erste Treffer der zweiten Hälfte vergönnt. Bechtloff legte aus der zweiten Welle heraus nach, aber die kleinen Unachtsamkeiten nutzte Hannover wiederum entschlossen aus und blieb in Reichweite. Ein Doppelschlag von Glandorf brachte bis zur 37. Minute das 20:16, der hatte in dieser Phase deutlicher Oberwasser bekommen, Meyer im TSV-Tor verhinderte jedoch zunächst den Fünf-Tore-Rückstand für sein Team.
In der 39. Minute kam Mark Schmetz für Kehrmann in die Partie, Strobel mit einem herrlichen Sprungwurf traf in der folgenden Spielminute zum 21:17. Strobel war in der Folge auch der erste Spieler, der für zwei Minuten das Feld verlassen musste, in der Unterzahl sollte Tamas Mocsai für ihn auf die Mittelposition kommen. Kubes folgte jedoch bereits im ersten TSV-Angriff in der Unterzahl, so dass die Gäste für 1:50 Minuten mit zwei Spielern mehr auf dem Feld standen. Hannover verkürzte zunächst auf 21:18, aber Kraus jagte Meyer den Ball zum 22:18 (42.) durch die „Hosenträger“. Galia parierte dann zweimal hintereinander gegen den völlig frei werfenden Bergmann von rechts außen und Bechtloff legte zum 23:18 (43.) nach. Die Stimmung in der Halle erreichte ihren bisherigen Höhepunkt.
Aber der TSV spielte sein Spiel unbekümmert weiter, erzielte drei Tore in Folge und kam in der 46. Minute zum 23:21. Der TBV legte zwar wieder vor, aber Hannover hielt hartnäckig den Anschluss (25:23, 49.). Hermann war mittlerweile wieder für Glandorf in den rechten Rückraum gekommen, gegen die kompakte 6:0-Abwehr der Gäste musste der TBV um jedes Tor hart kämpfen. Beim 26:23 wollte Daniel Brack beim Siebenmeter Martin Galia ein wenig arrogant überlisten, der Tscheche „dankte“ es mit einer Parade. Die erste Zeitstrafe für die Gäste folgte in der 52. Minute gegen Bergmann, der Bechtloff beim Gegenstoß äußerst unsanft anging. Schmetz erhöhte per Siebenmeter, Pauzuolis fing sich die nächste Zeitstrafe ein und erneut Schmetz war mit dem 28:23 (53.) erneut per Siebenmeter die nächste komfortable Führung für den TBV heraus.
Das 29:23 (55.) durch Hermann bedeutete dann die Vorentscheidung, TSV-Coach Carstens reagierte umgehend und nahm sein Auszeit, 54:25 Minuten waren gespielt. Tamas Mocsai kam für die letzten fünf Minuten auf die Mittelposition und fügte sich gleich mit seinem ersten Treffer zum 30:23 bestens ein. Leichte Fehler nutzte der TSV nach wie vor konsequent aus, das 30:25 (37.) war die Folge. Mocsai traf schließlich 6 Sekunden vor Schluss zum 31:25-Endstand.
Die Stimmen zum Spiel:
Frank Carstens: Glückwunsch an den TBV und Trainer Volker Mudrow. Wir haben hier heute locker aufgespielt, ich denke das hat man gesehen. Wir haben nicht die letzte Verbissenheit gezeigt, wollten unsere Chancen aber dennoch nutzen. Mit der Abwehrleistung bin ich zufrieden, man muss auch bedenken, dass uns heute einige wichtige Spieler gefehlt haben. Mit dem Auftritt bin ich von daher voll einverstanden, das Ergebnis ist jedoch standesgemäß und sicherlich so, wie sich der TBV das vorgestellt hat.
Volker Mudrow: Den Sieg haben wir uns natürlich vorgestellt, Hannover habe ich allerdings sehr ernst genommen, immerhin haben wir das Hinspiel in Hannover verloren. Von daher habe ich auch die Mannschaft eindringlich gewarnt, denn natürlich ist das EHF-Pokalfinale schon in allen Köpfen. Im Innenblock haben wir meiner Meinung nach ein paar leichte Tore zu viel bekommen, hier hätten wir nach meiner Vorstellung noch etwas härter und aggressiver zu Werke gehen können. Martin Galia hat heute ein starkes Spiel gemacht und auch Jens Bechtloff und Martin Strobel verdienen heute ein Sonderlob. Nun gilt unser Fokus voll dem EHF-Pokalfinale.