Eine gute Abwehrleistung und ein grandioser Martin Galia im Tor bescheren dem TBV Lemgo ein Sechs-Tore-Polster für das Rückspiel gegen die Kadetten Schaffhausen.
Der TBV startete mit Martin Galia, Jens Bechtloff, Michael Kraus, Martin Strobel, Holger Glandorf, Florian Kehrmann und Vignir Svavarsson, in der Abwehr kam Daniel Kubes und Ferenc Ilyés für Kraus und Strobel. Das 1:0 in der 1. Minute ging auf das Konto von Kraus, der Gustavsson beim Siebenmeter das Nachsehen gab, auf der anderen Seite scheiterte Manuel Liniger beim gleichen Unterfangen gegen Galia. In der 4. Minute gelang Mait Patrail dann der Ausgleich zum 1:1, Gustavsson im Kadetten-Tor parierte zweimal glänzend gegen Strobel und Kraus, die Partie war in dieser Anfangsphase völlig offen. Galia stand seinem Gegenüber aber in nichts nach, so dass in der 7. Minute erst ein 2:1 für den TBV auf der Anzeigetafel stand.
Glandorf mit seinem zweiten Treffer zum 3:1 (8.) ließ die ohnehin schon blendende Stimmung noch besser werden, der TBV wirkte hochkonzentriert und agierte mit viel Leidenschaft. Es war weiter ein Duell der Torhüter, Galia parierte in der 10. Minute gegen Stojanovic, musste bis dahin erst ein einziges Mal hinter sich greifen, das 3:1 hatte nach wie vor Bestand. Stojanovic hatte sich bei seinem Wurf aus dem Rückraum am Rücken verletzt, blieb zunächst am Boden liegen und wurde dann humpelnderweise vom Feld geführt – eine herbe Schwächung für die Schweizer.
Nach dem 4:1 (11.) durch Svavarsson musste Kubes für zwei Minuten vom Feld, die Kadetten hatten durch Filip die Chance von Rechtsaußen, aber Galia hielt lässig den Heber seines Landsmanns. Und auch in der nächsten Szene war Galia noch mit den Fingerspitzen am Ball, er war der überragende Mann auf dem Feld bis dahin. Schaffhausen wirkte verunsichert, kassierte in der eigenen Überzahl durch Bechtloff das 5:1 (13.), so dass Trainer Petr Hrachovec nach 12:40 gespielten Minuten seine Auszeit nahm.
In der 14. Minute musste sich Galia dann zum zweiten Mal geschlagen geben, Filip verwandelte einen Gegenstoß zum 5:2, Kraus legte jedoch umgehend nach, der TBV war weiter Herr im eigenen Hause. Stojanovic kam jetzt bei den Kadetten zurück ins Spiel, aber weiter bestimmte Galia die Szenerie, der gegen Kukucka seinen zweiten Siebenmeter entschärfte. Im Angriff unterliefen dem TBV jedoch selbst einige Fehler zu viel, so dass die Schweizer weiter im Spiel hätten bleiben können – wenn nicht Galia gewesen wäre. Der hielt gegen Ursic frei vom Kreis und Bechtloff legte das 7:2 (18.) nach, die Halle tobte.
Die Kadetten suchten weiter ihr Glück über Kreisanspiele an Ursic, doch die TBV-Abwehr stand extrem sicher, gegen Patrails 8:3 (20.) war jedoch kein Kraut gewachsen. Nach exakt 22 gespielten Minuten traf Starczan zum 9:5, der TBV hatte zuvor zweimal in Gustavsson seinen Meister gefunden, doch Svavarsson stemmte sich gegen drei Kadetten beim 10:5 energisch gegen einen vermeintliche Aufholjagd der Schweizer. Die sahen sich eine Minute später denn auch wieder mit 6 Toren im Rückstand, nachdem Kehrmann per Gegenstoß auf und davon gezogen war und zum 11:5 traf.
Preiß kam nun für Svavarsson in die Partie, musste aber nach einer Ringeinlage gegen Ursic umgehend für zwei Minuten wieder vom Feld. Ursic zog Galia den Siebenmeter kompromisslos über den Kopf zum 11:6 (25.). Hermann war wie Ilyés nun im Angriff in der Partie, Schaffhausen hatte zum 11:7 nachgelegt. Und spätestens beim 11:8 durch Patrail war jedem Zuschauer klar, dass diese Partie noch lange nicht entschieden war. Kehrmann musste zudem in der 28. Minute ebenso vom Feld, doch die Schweizer leisteten sich zunächst einen einfachen technischen Fehler.
Bechtloff legte mit einem tollen Kempa-Tor nach Anspiel von Kraus zum 12:8 vor, Schaffhausen scheiterte einmal mehr an Galia, Volker Mudrow nahm exakt 30 Sekunden vor der Pause noch einmal seine Auszeit. Doch es reichte nicht zu mehr als einem direkten Freiwurf durch Hermann, dessen Wurf allerdings im Block hängen blieb.
Der TBV begann die zweite Halbzeit wieder mit Kraus im linken Rückraum, Kehrmann löste wieder Schmetz ab, der nach der Zeitstrafe gegen ihn für die letzten Minuten in Halbzeit eins auf das Feld gekommen war. Schaffhausen erzielte das erste Tor zum 12:9, Strobel musste zudem in der 32. Minute mit einer Zeitstrafe vom Feld, Patrail nutzte die Überzahl entschlossen zum 12:10 aus. Der TBV musste aufpassen, durfte die Kadetten nicht ins Rollen kommen lassen. Ilyés traf aus dem linken Rückraum zum 14:11 (35.), aber Schaffhausen spielte seinen Streifen unbeirrt weiter – so wie Galia, der in der 38. Minute einmal mehr überragend gegen Patrail zur Stelle war.
Das 15:11 (39.) durch Kehrmann brachte die Halle erneut zum Kochen, als er einen Abpraller per Hechtsprung an Gustavsson vorbei bugsierte. Glandorf kam nach dem 15:12 (40.) für Hermann zurück auf das Feld, Preiß folgte nach dem 15:13 (41.), die Schweizer ließen sich nicht abschütteln. In der 42. Minute erhielt Ursic die erste Zeitstrafe für die Gäste, beim TBV machte sich unterdessen Tamas Mocsai warm, der in den letzten Trainingseinheiten mit Problemen in der Leistengegend zu kämpfen hatte. Kraus legte zum 16:13 vor, aber Stojanovic traf in Unterzahl zum 16:14, es blieb ein Spiel auf Augenhöhe.
Kehrmann wurde bei seinem Gegenstoß zum 18:14 (46.) unglücklich von Gustavssons Fuß im Gesicht getroffen, der Kadetten-Torhüter entschuldigte sich jedoch umgehend für diese sicherlich keineswegs beabsichtigte Aktion. Schmetz löste Kehrmann ab, der nach dem Tritt zunächst auf der Bank bleiben musste. Der TBV wirkte in dieser Phase den Schweizern wieder einen Tick voraus, die sich im Angriff einige leichte Fehler geleistet hatten und nach wie vor immer wieder Ursic am Kreis in Szene zu setzen versuchten. Mocsai war mittlerweile für Strobel in der Partie, musste jedoch zunächst das 18:15 (47.) durch Ursic mit ansehen.
Der TBV legte in der Folge weiter auf vier Tore vor (19:15, 20:16), die Kadetten blieben im Sipel, auch wenn insbesondere Patrail der Kräfteverschleiß anzumerken war. Und in Überzahl war es Mocsai, der aus der zweiten Welle heraus mit dem 21:16 (50.) die Hoffnung auf eine gute Ausgangsposition nährte. Schaffhausen agierte nun nicht mehr so konsequent wie bisher, der TBV stand dicht vor der Vorentscheidung. Doch zunächst gelang den Kadetten das 21:17, zwei gute Chancen hatte der TBV zuvor ungenutzt gelassen, aber Kehrmann unter arger Bedrängnis traf von rechts außen zum 22:17 (54.). Und das wunderbar heraus gespielte 23:17 durch Preiß zwang Hrachovec nach 55:06 gespielten Minuten zu seiner Auszeit im zweiten Durchgang.
Patrail blieb erneut im Block hängen, Schaffhausen war am Ende seiner Kräfte. Bis auf Gustavsson, der gegen Kraus parierte und Kukucka traf zum 23:18 für seine Mannschaft. Dann folgte jedoch der Auftritt durch Mocsai und Kehrmann, die per Anspiel hinter dem Rücken das 24:18 (58.) heraus spielten. Die Zuschauer erhoben sich bereits von ihren Sitzen, feierten die Leistung ihres TBV. 59:31 Minuten waren gespielt, als Mudrow noch einmal die grüne Karte legte und seine Mannschaft auf den vermeintlich letzten Angriff einschwörte. Irritationen gab es, weil die Uhr zunächst weitergelaufen war und bei 59:42 Minute sehenblieb, doch das Kampfgericht bemerkte das Missgeschick.
Der TBV verwarf zwar seine letzte Chance, doch die Kadetten konnten kein Kapital mehr daraus schlagen und somit geht der TBV mit einer hervorragenden Ausgangslage durch eine Sechs-Tore-Führung in das Rückspiel am kommenden Samstag in der Schweiz.
Petr Hrachovec: Ich möchte als erstes dem TBV zu diesem Sieg gratulieren. Aus meiner Sicht haben wir heute schlecht gespielt. Wir haben insgesamt 22 Fehlwürfe und technische Fehler gemacht. Mit dieser Quote kann man kein besseres Ergebnis in Lemgo erzielen. Es waren einfach zu viele technische Fehler, mehr als sonst. Es hat uns immer ausgezeichnet, dass wir bis zum Ende gekämpft haben, das werden wir auch nächste Woche tun.
Volker Mudrow: Wir sind jetzt bei der Halbzeit angelangt. Wir haben hier in Lemgo gut gespielt. Jetzt erwarte ich eine zweite gute Halbzeit in Schaffhausen. Das Ergebnis haben wir Martin Galia und der guten Abwehr um Daniel Kubes zu verdanken, die alle zusammen nur 18 Tore zugelassen haben. Florian Kehrmann hat heute auch ein sehr gutes Spiel gemacht. Schaffhausen hat jedoch eine sehr gute Mannschaft, das hat man gesehen. Der Rückraum ist mit Patrail, Kukucka und Stojanovic bestens besetzt. Manuel Liniger, der heute, glaube ich, kein Tor geworfen hat, entscheidet sonst Spiele im Alleingang. Die Abwehr stand heute gut und aggressiv, aber wir müssen Schaffhausen auch nächste Woche im Griff haben, dort fällt die Entscheidung.