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jugendzertifikat 2010

Im Interview

TBV setzt auf die Youngsters

Im Gespräch erläutern Christian Sprdlik, neuer Geschäftsführer der Nachwuchs GmbH, und Jugendkoordinator Niels Pfannenschmidt das gemeinsame Nachwuchskonzept.

Der TBV Lemgo verfolgt, gemeinsam mit der HSG Handball Lemgo, ein ehrgeiziges Nachwuchskonzept. Ein durchgängiges Trainingskonzept und eine Ausbildung auf höchstem Niveau sind nur zwei Bausteine, die dazu beitragen sollen, dass ein starker Unterbau der Profiabteilung zuarbeitet - und umgekehrt von ihr profitiert. Mit Christian Sprdlik hat die Handball Lemgo Spielbetriebs GmbH einen neuen Geschäftsführer, der gemeinsam mit Volker Zerbe und Niels Pfannenschmidt als Jugendkoordinator für die „Lemgoer Youngsters“ verantwortlich ist. Im Gespräch erläutern Sprdlik und Pfannenschmidt die Ziele.

  • Eine neue Saison mit neuen Aufgaben steht unmittelbar bevor, ist die Vorfreude bereits spürbar?

Sprdlik: Absolut, ich bin heiß auf die neue Aufgabe, wie man so schön sagt. Wir haben viel vor in Lemgo, wir wollen einiges erreichen und mit dieser Euphorie gehe ich neben den Planungen, die jetzt bereits laufen, auch ab dem 1. Juli offiziell die Aufgaben an.

Pfannenschmidt: Unsere Vorfreude ist umso größer, weil  wir sowohl mit der A-Jugend wie auch der B- und C-Jugend souverän die Qualifikationen für die höchsten Jugendspielklassen erreicht haben. Das war unser Ziel und unser Anspruch, umso mehr freue ich mich, dass wir das so souverän umsetzen konnten.

  • Der TBV Lemgo hat gemeinsam mit Handball Lemgo einiges vor in dieser Saison, ist die neu geschaffene Funktion als weiterer Geschäftsführer der Nachwuchs GmbH dabei ein entsprechendes Indiz?

Sprdlik: Ein solches Projekt, das mittel- und langfristig angelegt ist, muss auch mit einer entsprechenden Infrastruktur im Hintergrund ausgestattet sein. Ich werde in der Funktion als Geschäftsführer der Handball Lemgo Spielbetriebs GmbH gemeinsam mit Volker Zerbe als zweitem Geschäftsführer die Geschicke in diesem Bereich leiten. Unser Anspruch ist sicherlich hoch gesteckt, dies ist aber auch unabdingbar, wenn man einen Unterbau etablieren will, der dazu dient, Talente auf Top-Niveau zu bringen. Von daher bin ich als Bindeglied zwischen Jugendbereich und Profibereich – natürlich in Absprache mit den Trainern und dem Jugendkoordinator – in einer wichtigen Rolle, die die Ernsthaftigkeit und Seriosität des Projektes unterstreicht.

Pfannenschmidt: Über diesen neuen Posten hinaus gibt es ja noch andere Punkte, die man anführen muss. Wir haben mit Detlef Rauchschwalbe einen hervorragenden Jugendtrainer für die A-Jugend gewinnen können, der als Lemgoer natürlich auch die besten Voraussetzungen hat. Mit seinem Sohn Jannik haben wir zudem einen vielversprechenden Jugend-Nationalspieler nach Lemgo zurückholen können, der bereits bei der zweiten Mannschaft integriert sein und auch im Kader der Bundesliga mittrainieren wird. Zudem haben wir mit Nils Prüßner oder Luca Werner vielversprechende Talente im Kader. Mit den niederländischen Nationalspielern Wai Wong und Arjan Haenen haben wir ausländische Talente integriert und unsere Bemühungen um auswärtige deutsche Talente tragen mit Nikolai Link entsprechend Früchte. Als Junioren-Nationalspieler wird er voll im Trainingsbetrieb der Bundesliga eingegliedert sein und in der zweiten Mannschaft Spielpraxis sammeln.

  • Somit ist der Aufstieg für die zweite Mannschaft in die 3. Liga Pflicht?

Pfannenschmidt: Das kann man so nicht planen. Die Oberliga Westfalen ist im nächsten Jahr sehr gut besetzt und sehr ausgeglichen. Natürlich wollen wir den direkten Unterbau der Profimannschaft so hoch wie möglich etablieren und Spieler wie Jannik Rauchschwalbe oder Nikolai Link sind dabei als Jugend- bzw. Junioren-Nationalspieler Akteure, die diesen Anspruch nachhaltig unterstreichen. Wir trainieren hart und viel für das Ziel Aufstieg, ich sehe uns aber nicht in der Rolle des alleinigen Favoriten, der zum Aufstieg verdammt ist. Druck machen wir uns, wenn überhaupt, nur intern.

Sprdlik: Das Ziel Aufstieg ist sicherlich da. Wenn man hochkarätige Talente aus ganz Deutschland beim TBV  Lemgo bestmöglich ausbilden will – und das ist ja unser erklärtes Ziel – dann muss ich diesen Talenten auch eine sportliche Plattform in der 3. Liga bieten. Dies wollen wir jedoch nicht mit zusammengekauften Spielern erreichen, sondern ganz klar die Linie mit jungen Spielern weiterführen, die nach Möglichkeit aus der Region oder noch besser aus der eigenen Jugend kommen.

  • Die Reservemannschaften sowie die Jugend fristen im Schatten eines Bundesligisten seit jeher eine untergeordnete Rolle in der Zuschauergunst.

Sprdlik: Das wollen und das werden wir ändern. Wir wollen eine neue Euphorie in Lemgo schüren, die Stadt muss am Wochenende plakativ gesagt blau-weiß sein. Die Zuschauer haben die Möglichkeit, in der Jugend und in der Reserve die vielleicht zukünftigen Stars von morgen zu sehen – das allein ist doch Anreiz genug. Natürlich ist das Gros der Fans bei den Profis, aber wir wollen wie gesagt mit neuer Euphorie und frischem Wind den gesamten Unterbau nach vorne bringen. Auch in der Zuschauergunst.

Pfannenschmidt: Hinzu kommt die für Zuschauer unbefriedigende Situation in der Gesamtschulhalle, in der nur eingeschränkte Sicht auf das Spielfeld besteht. Aber hier arbeiten wir an Lösungen, zum Beispiel in Form von mobilen Tribünen und ich bin mir sicher, dass sich dies auch in den Zuschauerzahlen widerspiegeln wird. Wie schon erwähnt: Jugendhandball auf höchstem Niveau und ein Unterbau der Profis, bei dem etliche Perspektivspieler auflaufen sind super Argumente, bei den jeweiligen Spielen vorbei zu schauen!

  • Bei den so genannten Lemgoer Youngsters sind derzeit die zweite Herrenmannschaft sowie A- und B-Jugend integriert. Damit wird aber nicht Schluss sein oder?

Sprdlik: Nein, ganz sicher nicht. Im Gegenteil, eine meiner Aufgaben ist es auch, in den kommenden Monaten und Jahren diese einheitliche Linie, die wir in der Gesamtstruktur etablieren, bis zu den Minis herunter einzuführen. Zudem werden wir auch mit der 3. oder 4. Herrenmannschaft zusammenarbeiten, da der Breitensportgedanke bei allen professionellen Ansprüchen nicht zu kurz kommen soll.

Pfannenschmidt: Eine durchgängige Ausbildung von den Jüngsten an ist unser Ziel. Das kann nicht von heute auf morgen geschehen und allein in Lemgo und Umgebung werden wir auch nicht in jedem Jahr einen neuen Volker Zerbe finden können. Deshalb scouten wir auch deutschlandweit nach Talenten, auch wenn unser Hauptaugenmerk immer auf der Region liegen wird.

  • Auswärtige Talente bedeutet auch, diese entsprechend unterbringen zu können, die schulische Ausbildung zu gewährleisten. Geht das Ganze in Richtung eines Sportinternats?

Sprdlik: Ja! Wir wollen in Lemgo ein Internat etablieren, das erfordert viel Vorarbeit, viel Geduld, viele Gespräche, viel Geld, aber es ist der Königsweg. Und dieser Aufgabe stelle ich mich im Rahmen meiner Tätigkeit vom ersten Tag an mit besonderer Intensität. Ich bin mir sicher, dass dies in der handballbegeisterten Region und dieser handballbegeisterten Stadt Lemgo möglich ist.

Pfannenschmidt: Einen ersten Weg gehen wir ja bereits mit der Wohngemeinschaft, in der zwei Spieler untergebracht sind. Dies wollen wir im nächsten Schritt weiter ausbauen, wir reden letztlich von einer Art „betreutem Wohnen“. Da wir mit den Lemgoer Schulen hervorragend zusammenarbeiten, haben wir diesen Teil der Ausbildung auch entsprechend abgedeckt. Eines ist klar: Wir fördern die Talente nicht nur sportlich, eine schulische Ausbildung ist Pflicht und dies kontrollieren wir auch entsprechend. Die Ausbildung abseits der Halle ist für uns enorm wichtig, ohne Abstriche. Dabei arbeiten wir verstärkt mit unseren Sponsoren zusammen, um für die jungen Spieler Ausbildungsplätze anbieten zu können. Der Sport ist viel zu schnelllebig und verletzungsanfällig, als dass wir allein auf diese Karte setzen könnten. Das wäre fahrlässig.