Unentschieden in letzter Sekunde

In einem kampfbetonten Spiel trennten sich der TBV Lemgo und die HSG Wetzlar mit einem 23:23-Unentschieden nach einer 13:9-Halbzeitführung zu Gunsten der Gastgeber.

In der Startaufstellung schickte TBV-Trainer Florian Kehrmann Jonas Maier, Tim Hornke, Max Höning, Andrej Kogut, Arne Niemeyer, Patrick Zieker und Anton Månsson auf das Feld. Obwohl der TBV den ersten Treffer erzielte, war es ein nervöser Beginn, einige Ballverluste in den Anfangsminuten auf Seiten des TBV ließen die Gäste zu Chancen kommen. Wetzlar glich immer wieder aus und hatte von Beginn an in Keeper Andreas Wolff ihren besten Mann auf dem Platz. Aber auch auf den Lemgoer Keeper Jonas Maier war Verlass, mehrere Paraden sicherten seinem Team den Ballgewinn  und die Möglichkeit, selbst Tore zu erzielen.

Mit einem Traumtor von der für ihn ungewohnten Mittelposition stellte Tim Hornke in der 7. Minute die erste Zwei-Tore-Führung zum 4:2 her. Im anschließenden Angriff kassierte Fäth  eine Zeitstrafe nach einem Foul an Höning, doch der TBV konnte die erste Überzahl nicht nutzen. Erst scheiterte Hornke vom Punkt an Wolff und im anschließenden Wetzlarer Angriff wurde Zieker herausgestellt. Jonas Maier sicherte mit seiner zweiten Parade den Ballbesitz für Lemgo, doch die nächsten Angriffe blieben torlos.  Wetzlar verfolgte seine Taktik konsequent und fuhr lange Angriffe und musste eine weitere Zeitstrafe hinnehmen, weil Ferraz den Ball nicht freigab. Im anschließenden Angriff war Kogut nach sechs torlosen Minuten mit seinem Treffer zum 5:4 erfolgreich. Mirkulovski verletzte sich im vorherigen Angriff am linken Knie, was sein Team zunächst verunsicherte, doch die Mannschaften egalisieren sich weiter, bis zu 20. Minute blieb es bei Gleichstand oder maximal einer Ein-Tore-Führung, ehe der TBV durch Månsson und Stenbäcken weiter vorlegen konnte. Jonas Maier brachte die Halle mit seinen vielen Paraden zum Kochen. Beim Stand von 10:7 in der 24. Minute nahm Kehrmann seine erste Auszeit. Niemeyer, Kogut und Zieker erzielten die nächsten Treffer zum Halbzeitstand von 13:9.  

In der zweiten Halbzeit war es den Gästen vorbehalten, den ersten Treffer zu erzielen, Fäth verkürzte in der 32. Minute zum 13:10. Höning konnte auf 14:10 erhöhen, aber Hornke scheiterte in Überzahl an Gästekeeper Wolff. Den wohl schönsten Treffer des Spiels erzielten dann die Mittelhessen in Unterzahl mit einem Kempatreffer zum 14:11 durch Fäth nach Zuspiel von Ferraz. Hornke machte es im nächsten Angriff besser und überwand Wolff von außen zum 15:11, doch viele Anspielfehler auf Seiten des TBV ermöglichten den Gästen Chancen, die prompt auch von Fäth und Holst genutzt wurden. Beim Stand von 15:14 in der 38. Minute sah sich Kehrmann gezwungen, eine Auszeit zu nehmen und sein Team wachzurütteln. Feuchtmann kam auf der Mittelposition und provozierte gleich ein Foul und eine damit verbundene Zeitstrafe gegen Klesniks, wurde dann aber mit einem Schrittfehler zurückgepfiffen. Es folgte wieder ein sehr langer Angriff der Wetzlarer, die kurz vor einem Zeitspiel clever einen Strafwurf herausholen, den Holst zum 15:15-Ausgleich verwandelte. Feuchtmann antwortete postwendend, doch dann konnte erneut Holst durch einen Siebenmetertreffer ausgleichen. Hornke erwischte den Abpraller und brachte den TBV in der 42. Minute wieder mit 17:16 in Führung. Stenbäcken kassierte eine Zwei-Minuten-Strafe, doch Keeper Maier war hellwach, hielt erst einen Wurf von Halblinks und fing dann einen Tempogegenstoß ab.

Schieberrufe hallten durch die Halle, erst wurde dem TBV ein Freiwurf verwehrt, dann erhielt Wetzlar einen aus der Sicht der Zuschauer unberechtigten Siebenmeter, den der eingewechselte Dresrüsse jedoch abwehren konnte. Im nächsten Versuch von der Marke blieb Joli dann aber Sieger gegen Dresrüsse und glich erneut zum 17:17 aus. Kehrmann brachte Youngsters-Spieler Dominik Ebner auf Halbrechts, der prompt einen ersten Bundesligatreffer der Saison zum 18:17 erzielte. Die Gäste blieben aber dran, Kohlbacher musste nach einem bösen Foul an Kogut auf die Bank, doch die zwei folgenden Überzahlangriffe blieben für den TBV wegen Abspielfehlern erfolglos, ehe Zieker von außen wieder die Führung zum 19:18 herstellen konnte, die aber schnell wieder ausgeglichen war.

In der 54. Minute nahm Wetzlars Trainer Kai Wandschneider beim Stand von 20:19 eine Auszeit und anschließend war es wieder ein Treffer von der Marke, der das Unentschieden brachte, ehe Tim Hornke, Patrick Zieker und Anton Månsson nacheinander zum 23:20 trafen. Zwei verwandelte Siebenmeter brachten die Gäste wieder auf ein Tor heran. Im letzten Lemgoer Angriff in der Schlussminute wurde Höning zweimal gefoult, beim zweiten Mal 23 Sekunden vor Schluss wurde Prieto dafür mit zwei Minuten bestraft. Großes Pech dann, als Hornkes Wurf vom Innenpfosten abprallte. Es waren nur noch 5 Sekunden auf der Uhr für den letzten Wetzlarer Angriff. Der Ball kam schnell nach vorne und Kogut sah nach einem taktischen Foul die rote Karte. Zusätzlich wurde Wetzlar auf Grund der neuen Spielregeln noch ein Siebenmeter zugesprochen, den Joli zum 23:23-Endstand verwandelte.

Gästetrainer Kai Wandschneider äußerte sich auf der anschließenden Pressekonferenz: „Es war ein wirklicher Handball-Krimi, ich bin noch etwas geschafft von diesem Spiel und der Endphase. In der Halbzeit war ich stinksauer, wir haben pomadig gespielt und hatten keine Bewegung im Angriff, da war Lemgo klar besser. In der zweiten Halbzeit wir uns herangetastet. Die Abwehr war besser. Uns ist zu Gute gekommen, dass Hermann gefehlt hat, obwohl Höning und Ebner das gut gemacht haben. Die Schlussphase muss ich mir in 24 Stunden noch einmal in Ruhe ansehen. Was ich mitnehmen kann ist, dass sich unser Team aufgebäumt und eine gute Moral gezeigt hat.“

TBV-Trainer Florian Kehrmann analysierte das Spiel so: „Es waren schwere Vorzeichen für uns mit dem Ausfall von Rolf Hermann. Man merkt in diesen Situationen, dass wir noch eine ganz junge Mannschaft haben. Aber ich möchte eher das Positive herausstellen, wir haben sehr gut gedeckt, der Innenblock war stabil, aber wir haben es in der ersten Halbzeit nicht geschafft, daraus Kapital zu schlagen und haben uns mit zunehmender Dauer schwerer getan. Wir waren verdient vorne beim 23:20, dann kam das, was die fehlende Erfahrung ausmacht, aber ich bin trotzdem sehr stolz auf meine Mannschaft, wie sie gekämpft und sich präsentiert hat, wie die Spieler miteinander sprechen und wie sie als Team aufgetreten sind.“

TBV Lemgo: Maier (1.-60.), Dresrüsse (bei Siebenmetern in der 2. HZ); Månsson (5), Feuchtmann (1), Kogut (2), Ebner (1), Hornke (6), Rydergård, Stenbäcken (1), A. Niemeyer, Haenen, Höning (3), Zieker (3), M. Niemeyer (1)

Zuschauer: 3.024

Video - Pressekonferenz

Video - Stimmen zum Spiel

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